Strategien der Tech-Riesen Amazon, Apple, Google: Viele Wege führen zum Smart Home

In weniger als einem Jahr hat Amazon sowohl die sprachgesteuerte digitale Assistentin Alexa als auch den Smart Home Lautsprecher Amazon Echo herausgebracht. Damit ist der Onlineversand unerwartet in den laufenden Wettstreit um die Pole Position im vernetzten Haushalt zwischen Google und Apple eingestiegen. Die drei Big Player haben sehr unterschiedliche Herangehensweisen an den Bereich Smart Home, ausgehend von unternehmenseigenen Intentionen. Was treibt Amazon und Co. dabei an, welche Vor- und Nachteile ergeben sich durch die jeweilige Strategie?

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Marktstrategien im Vergleich

Amazon ist noch nicht lange im Elektronikbereich unterwegs – das Unternehmen startete bekanntermaßen als Online-Bücherversand. Um den Absatz der eigenen Produkte auf dem Portal nicht zu schwächen, listet Amazon beispielsweise keine unmittelbaren Konkurrenzprodukte zur Eigenmarke mehr. Apple möchte Kunden ebenso an seine Produkte binden und baute darum das HomeKit-Imperium um iPhone, iPad oder Apple TV als Steuerzentrale des Smart Homes auf. Google ist derweil nicht nur im Suchmaschinen-Sektor aktiv, sondern zunehmend auf dem Feld der digitalen Assistenz und Hausautomation, investiert beispielsweise in smarte Komponenten wie Nest. Um eine Vorreiterposition einzunehmen, ist das Unternehmen allerdings nicht schnell genug: Google Home stellt zwar eine Konkurrenz zu Amazon Echo dar, kam jedoch später auf den Markt und weist - ähnlich wie HomeKit - noch zu wenige Kompatibilitäten zu Drittanbietern auf. Amazon baut sein Netzwerk durch immer neue Echo-Skills rasant aus. Entscheidend für den Erfolg digitaler Assistenten sind eben Erweiterungen durch intelligente Geräte und Systeme.

Produkte mit  integrierter Sprachsteuerung  werden immer beliebter.

 

Apple geht auf Nummer sicher

Apple schneidet sich, was den schnellen Markteinstieg betrifft, mit der peniblen Zertifizierungspolitik gerade selbst ins Fleisch - sie soll für die Produkte mehr Sicherheit und Benutzerfreundlichkeit garantieren. Komponentenhersteller müssen bestimmte, verhältnismäßig teure Chips einbauen, um dieses Zertifikat zu erlangen und ihre Produkte mit dem Label „Works with Apple HomeKit“ auszeichnen zu dürfen. Produziert werden die Geräte dann ausschließlich in Apple-zertifizierten Stätten. Musterexemplare werden von Apple extensiv getestet, bevor das Unternehmen offiziell seine Kompatibilität mit HomeKit verkünden darf - der gesamte Prozess kann sich bis zu fünf Monate hinziehen. Der dadurch verlängerte Time-to-Market-Zeitraum ist hinderlich sowohl für die Hersteller als auch für Apple: Ein smartes System braucht schließlich Bausteine, mit denen es erweitert werden kann. Andererseits bedeutet der doppelte Testdurchlauf auch doppelte Sicherheit - bei der Produktzuverlässigkeit in der Praxis möchte Apple einfach kein Risiko eingehen.

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Amazon setzt auf Schnelligkeit

Amazon ist der jüngste Mitbewerber auf dem Smart-Home-Markt und scheint nicht die Strategie zu verfolgen, ein eigenes Ökosystem von vernetzten Gerätschaften zu etablieren, als sich vielmehr an jedes bestehende System anzudocken. Die neuen Entwicklungen dienen dem Unternehmen vor allem der Emanzipierung – mit Echo und Alexa wird nicht nur die Kundeninteraktion direkter, das Onlineshopping kommt jetzt ganz ohne das Medium iPhone oder Google-Webbrowser aus. Mit Amazons Open-Source-Ansatz können Features schnell (weiter-)entwickelt werden und kompatible Produkte leichter auf den Markt kommen, teilweise wird die Entwicklung passender Produkte finanziell unterstützt. Sicherheit für die Partnerprodukte kann Amazon allerdings nicht garantieren. Das „Works with Alexa“-Siegel kann erlangen, wer seinen Software-Code durch Amazon und das Produkt in unabhängigen Labors auf Tauglichkeit überprüfen lässt.

Amazon Alexa App Logo

Amazon Echos Freundesliste ist doppelt so lang

Das Spiel hat erst begonnen. Lässt man Zahlen sprechen, dann liegt Amazon Echo mit den bislang etwa 250 abgeschlossenen Partnerschaften vorne, während Apples HomeKit lediglich etwa 100 zertifizierte Kompatibilitäten verbuchen kann. Allerdings weist Apple in puncto Konnektivität Vorteile auf - HomeKit funktioniert ohne Internetzugang innerhalb des Hauses und kann dennoch von unterwegs etwa mit einem Apple TV als Gateway gesteuert werden. Echo und Alexa kommunizieren über eine Cloud-Technologie, was Zeitverzögerungen mit sich bringen kann und wiederum die Sicherheit der Datenübertragung beeinträchtigt. Das Setup ist bei Apple einfach gestaltet, während Amazon mehrere Apps downloaden lässt und Skills erst hinzugefügt werden müssen, um das Smart Home mit Echo effektiv zu steuern. Google muss noch aufholen, könnte dann aber durch die getätigten Investititonen in ein umfassendes Ökosystem als smarter Gewinner hervortreten. Es bleibt also spannend, die weiteren Züge von Amazon, Apple und Google zu beobachten – auch werden zweifellos Underdogs aufs Feld treten und sie herausfordern.

Das Zuhause mit Google steuern

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homeandsmart.de Redaktion Sarah Mall

Studium der Kultur- & Medienwissenschaft, freiberufliche Tätigkeiten als Übersetzerin, Lektorin und Texterin. Neugierig und gerne auf Entdeckungsreise. Heute Redakteurin bei homeandsmart.de. Smart-Home-Technik als neues Terrain, das erforscht werden will. Mit positiver Energie und sonnengelbem Schal die Solaranlage der Redaktion.