Connected Car Sprachassistenten für das Auto: Vor- und Nachteile

Als Lautsprecher für die Wohnung begannen die Sprachsysteme von Amazon, Apple und Co. ihren Siegeszug der letzten Jahre quasi bei null. In Autos dagegen konnten sie auf bereits vorhandene Technik aufbauen. Doch inwieweit haben sie sich inzwischen als Helfer auf der Straße bewährt und wo bereiten Sprachassistenten eher noch Probleme? Wir vergleichen Nutzen und Mankos.

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Für immer mehr Menschen sind sie als Alltagshelfer kaum noch wegzudenken: Rund jeder vierte Deutsche besitzt mittlerweile einen Smartspeaker als separates Endgerät und 34 Prozent der Bundesbürger nutzen bereits generell digitale Sprachassistenten ‒ sei es über Smartphones, Lautsprecher oder PCs. Mit Abstand am häufigsten werden die virtuellen Stimmen nicht etwa zuhause, sondern im Auto eingesetzt, wie eine GfK-Studie im Auftrag von Mastercard zeigt. Der Vorteil hier sei, dass die Nutzer sich besser auf den Verkehr konzentrieren könnten und nicht mehr durch Blicke auf Smartphone oder Navigationsgerät abgelenkt würden.

Das scheint auf der Hand zu liegen. Nicht zuletzt deshalb, weil Alexa, Siri und Kolleginnen im Auto auf weniger prominente Vorgängerassistenten gefolgt sind, die ebenfalls die Hauptaufgabe hatten, Autofahrern die Sicht zu erleichtern. Schon vor über zehn Jahren verbauten einige Autohersteller in ihren Oberklasse-Wagen serienmäßige Sprachsteuerungen, mit denen zumindest Anrufe oder das Radio gestartet werden konnten. Dies war jedoch noch ziemlich umständlich, da exakte Befehle gesprochen und Reihenfolgen beachtet werden mussten. Mit dem Aufkommen der Sprachassistenten der großen Digitalkonzerne ist die mündliche Hilfe im Auto leichter und vielfältiger geworden. Zumal die Autobauer bei eigenen Systemen nachziehen.

Nachrüsten von Siri, Google Assistant und Alexa

Wer noch keinen Sprachassistenten in seinem Wagen besitzt, braucht dennoch nicht auf dieses moderne Feature zu verzichten. Gerade die Systeme der Internetfirmen lassen sich relativ simpel nachrüsten. Allerdings gibt es ein paar Unterschiede zwischen den Anbietern. Grundsätzlich braucht man für Apples Siri, den Google Assistant und auch Amazons Alexa sein Smartphone mit mobiler Internetverbindung im Auto.

Siri und Google Assistant erfordern jedoch für eine optimale Nutzung ein moderneres Infotainment-System im Wagen: Es sollte bereits über die Apps „Apple Carplay“ oder „Android Auto“ verfügen oder diese sollten sich zumindest nachträglich installieren lassen. Wenn dies geregelt ist, können die beiden Sprachassistenten einfach über das Smartphone per USB-Kabel oder Bluetooth mit der App auf dem Digitalsystem des Autos verbunden werden.

Der Vorteil von Alexa ist, dass die Amazon-Stimme sich auch in älteren Autos mit dem Bordsystem koppeln lässt. Dafür benötigt man jedoch einen separaten Adapter, den Amazon unter dem Namen „Echo Auto“ anbietet. Dieser verfügt über mehrere Mikrofone, die das korrekte Erfassen von Sprachbefehlen auch bei lauteren Fahrgeräuschen sicherstellen sollen. Dies erweist sich als ein weiterer Vorteil gegenüber den Systemen von Apple und Google. Das angebundene Smartphone muss natürlich über die Alexa-App verfügen. Der Strom für den Adapter kommt über einen USB-Anschluss oder den Zigarettenanzünder im Auto-Cockpit.

Je nach Fahrzeugmodell kann Echo Auto auch über Bluetooth mit dem Bordsystem verbunden werden. Eine vernünftige Halterung für Smartphones im Auto sollte selbstverständlich vorhanden sein, um eine ungestörte Funktion aller drei Sprachsysteme sicherzustellen. Bei Alexa braucht es aber zudem einen Lüftungsschlitz in der richtigen Größe, um den Adapter dort anbringen zu können. Das wiederum ist ein deutlicher Nachteil des Systems ‒ sofern man den Adapter nicht lose im Auto herumfliegen haben möchte.

Vielfältige Funktionen vs. Empfangsprobleme

Die große Bandbreite der Funktionen aller drei Sprachassistenten wird erst im Auto ein echter Vorteil, da zuhause meist nicht alle Möglichkeiten gefragt sind. So helfen die digitalen Stimmwunder, um beispielsweise folgende Vorgänge zu managen, ohne während der Fahrt die Hände vom Lenkrad nehmen zu müssen:

  • Abspielen von Musik und Audioprogrammen über das Autoradio und/oder Streaming-Apps auf dem Smartphone
  • Telefonate starten oder entgegennehmen und beenden
  • Navigationssysteme bedienen, sowohl bordeigene als auch Google Maps
  • Sprechnotizen aufnehmen, Nachrichten diktieren
  • Termine in den Smartphone-Kalender eintragen und daran erinnert werden
  • Vernetzte Heimgeräte von unterwegs steuern

Der Haken bei all diesen Vorteilen ist, dass natürlich eine funktionierende Internetverbindung vorausgesetzt wird. Kommt der Netzempfang irgendwo auf der Autobahn oder Landstraße ins Stocken, passiert das auch mit den Sprachassistenten. Vor allem Siri und „Echo Auto“ sollen, einigen Erfahrungsberichten zufolge, sofort Ausfälle zu verzeichnen haben, wenn das Internet mal aussetzt. Der Google Assistant soll zumindest bei kurzen Funklöchern noch weiterarbeiten.

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Autobauer setzen auf eigene Sprachsysteme

Wer ein Auto mit Sprachsteuerung des Herstellers besitzt, bleibt zumindest von Problemen durch Online-Unterbrechungen beim Provider seines Smartphones verschont. Vom zunehmenden Erfolg der Digitalkonzerne inspiriert, haben Autobauer wie Mercedes-Benz oder BMW ihre eigenen Sprachassistenten entwickelt und professionalisiert. So lancierte Mercedes 2018 sein MBUX genanntes Infotainmentsystem mit dem integrierten Sprachassistenten Linguatronic, der auf den Befehl „Hey Mercedes“ anspringt. In einigen Fahrzeugmodellen ist dieses Feature bereits serienmäßig verbaut. Es lässt sich ebenfalls mit dem Smartphone verbinden, braucht aber nicht dessen mobiles Internet. Die Fahrzeuge mit MBUX-System sind mit einem LTE-Modul samt integrierter SIM-Karte von Vodafone ausgerüstet. Die meisten Dienste funktionieren unmittelbar über das LTE-Modul und setzen kein angeschlossenes Smartphone voraus. Für die LTE-Verbindung gibt es zudem keine Volumengrenze, wenn die Nutzer nicht gerade datenintensiv Musik streamen. Dass in extremen Funklöchern allerdings auch eine LTE-Verbindung hier und da ins Stocken kommt, sollte jedem klar sein.

Konkurrent BMW hat nach dem Vorstoß von Mercedes schnell nachgezogen. Mit dem „BMW Intelligent Personal Assistant“ will der bayerische Autobauer das MBUX-System seines Rivalen übertrumpfen. Durch Künstliche Intelligenz mittels angeschlossener Cloud soll der Sprachassistent von BMW stetig hinzulernen und umfangreicher mit Funktionen des Autos verbunden sein. Zum Beispiel kann ein Fenster per Sprachsteuerung hoch- und runtergefahren und die Sitzheizung reguliert werden. Ebenso wie Mercedes setzt auch BMW für die nötigen Online-Funktionen auf eine eingebaute SIM-Karte, kassiert jedoch für viele Dienste seines intelligenten Systems höhere Extragebühren. Diese sollten Fahrer regelmäßig im Auge behalten.

Spracherkennung ausbaufähig, Kosten höher

Zwar stehen die eigenen Sprachassistenten der Autobauer den Pendants der Online-Firmen in Sachen Nutzungsvielfalt immer weniger nach. Die engere Verzahnung mit den Funktionen und Bedienelementen der Autos ist sogar ein Pluspunkt für sie. Allerdings sind sich die meisten Tests und Erlebnisberichte darin einig, dass die eigentliche Spracherkennung der digitalen Assistenten noch ausbauwürdig ist. So reibungslos wie Siri, Alexa und Co. würden die Systeme von Mercedes, BMW und anderen Automarken die menschliche Stimme nicht erkennen und umwandeln können.

Zudem spielt der Kostenaspekt eine nicht unbeträchtliche Rolle: Abgesehen davon, dass Automodelle mit intelligenten Bordsystemen samt Sprachsteuerung natürlich hochpreisiger sind als vergleichbare Modelle ohne, fallen die laufenden Zusatzkosten ins Gewicht. Während sich in konventionellen Autos Alexa mit dem „Echo Auto“-Adapter für rund 60 Euro nachrüsten lässt und sofort alle denkbaren Funktionen nutzbar sind, muss bei BMW hinzugekauft werden. Dabei geht es gerne einmal in den dreistelligen Bereich für eine Anwendung.

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Kooperationen liegen im Trend

Es verwundert folglich nicht, dass sich einerseits die Autobauer nicht vollständig auf ihre eigenen Sprachsysteme fokussieren. Andererseits wollen die Online-Konzerne nicht nur auf die Menschen bauen, die ihr Auto mit Siri, Alexa oder Google Assistant aufrüsten. Und so kommt es zunehmend zu Kooperationen zwischen Autobauern und Digitalkonzernen, die sich nicht auf eine vorinstallierte App im Infotainmentsystem des Autos beschränken. Dies tun zum Beispiel Audi, VW oder Mazda mit Android Car.

BMW etwa geht darüber hinaus und bietet in so manchem Neuwagen anstelle seines eigenen Personal Assistant auch Amazons Alexa an. Ebenso ist das bei vielen Fahrzeugtypen von Seat der Fall. Mercedes-Benz erlaubt es seinen Kunden teilweise, über Smartspeaker oder Smartwatches mit Alexa bestimmte Fahrzeugfunktionen von außerhalb zu steuern. Wer also ohnehin zuhause gerne Amazons Sprachassistentin nutzt, kann schnell von der Ausweitung aufs Auto profitieren. Allerdings sind manche Kooperationen technisch noch nicht ausgereift. Bei Seat beispielsweise wird vielfach noch der minimale Funktionsumfang mit Alexa bei Fahrzeugdiensten moniert.

Sprachassistenten unabhängig von Autosystemen nutzen

Fahrzeugbesitzer können überdies Sprachassistenten nicht nur in direkter Verbindung mit dem Bordsystem ihres Autos nutzen. Manche Aufrüstungsmöglichkeit für das Auto lässt sich auch unabhängig vom fahrzeugeigenen Netz per Sprachsteuerung bedienen. Ein Beispiel ist das Nachrüsten einer Einparkhilfe: Spezialisierte Hersteller bieten ein Paket aus Sensoren und App an.

Die Parksensoren werden über die Kennzeichenhalter an den Nummernschildern des Wagens angebracht. Hierbei empfiehlt es sich, auch gleich auf stabilere und hochwertigere Modelle umzurüsten. Diese können mittlerweile ohne Aufwand auch online beantragt werden. Die Kennzeichenhalter werden mit Akkus betrieben, weshalb keine Verbindung zum Bordnetz des Autos erforderlich ist. Auch das Display desselbigen ist überflüssig. Per Bluetooth werden die Parksensoren am Kennzeichenhalter mit dem Smartphone verbunden. Die zugehörige App informiert über die Entfernung zum Hindernis und kann im Betriebssystem iOS mit der Sprachassistenz von Siri gestartet werden.

homeandsmart Redaktion David Wulf

Smart Home Experte und seit der Gründung bei home&smart. Geschäftsführer und Redaktionsleiter mit Blick für die neuesten Marktentwicklungen, außerdem als Referent auf zahlreichen Messen & Events vertreten. Stets up to Date über die aktuellen Trends und Entwicklungen im Bereich Smart Home, E-Mobilität und Sprachassistenten. Die Frage nach dem vernetzten Leben von morgen ist sein Lebenselixir.

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