Verbraucherschutzkonferenz Der digitale Drahtseilakt

Die weitgreifenden Folgen der Digitalisierung sind mittlerweile in allen Bereichen unseres Lebens spürbar. Immer smarter, immer mobiler, immer vernetzter – und immer transparenter. So wie die Grenzen zwischen analoger und digitaler Welt verschwimmen, verschwimmen auch die Grenzen in Bezug auf die Privatsphäre. Auf EU- und auf Bundesebene ist man bemüht, den Schutz der Privatsphäre weiterhin zu gewährleisten.

Konferenz des Verbraucherschutzministerium zur Smart Home Sicherheit

Wie digital wollen wir leben? 

Die Digitalisierung ist längst nicht mehr nur eine „nette Entwicklung“ im Entertainment-Bereich, die den Alltag durch technische Spielereien versüßt. Im Gegenteil: Wichtige Themen wie Sicherheit, Gesundheit und Umwelt, werden bewusst angegangen. Neue Möglichkeiten entstehen, den Alltag zu erleichtern, Energie zu sparen und für mehr Sicherheit zu sorgen. Die Basis hierfür, sind nicht selten Unmengen von persönlichen Daten, die zwischen den vernetzten Geräten hin- und hergeschickt werden. Schön wäre es, wenn sie dabei die häusliche Grenze nicht überschreiten würden - „Mein Tanzbereich – Dein Tanzbereich“ also. So ist es allerdings nicht. Die Freizügigkeit der Daten kennt keine ortsbezogenen – und letztlich (bisher) auch keine rechtlichen Grenzen. Und genau da liege das Problem, prangerte Bundesjustizminister Heiko Maas auf einer Konferenz im Rahmen des weltweiten „Safer Internet Day“ an: Legt das Grundgesetz doch das Recht auf Schutz der Privatsphäre fest und speziell die eigenen vier Wände als persönlichen Rückzugsraum. Dieser Teil des Gesetzes wird im Rahmen der Datenströme allerdings erheblich beschnitten, denn anhand der Daten, die mit der Nutzung der Smart Gadgets im Haus gesammelt werden, lassen sich ganze Nutzerprofile erstellen mit Angaben zu Kleidungsstil, politischer Meinung, Freunde und Familie, Fitnesslevel und den aktuellen Standort in Echtzeit. Unbemerkt versteht sich. Ein bemerkenswerter Missbrauch des Rechts auf Privatsphäre also.

Ein europäischer und bundesweiter digitaler Rechtsrahmen

Auf Bundes- als auch auf EU-Ebene ist man bemüht dieser Problematik nun einen rechtlichen Rahmen zu setzen und das Recht auf Privatsphäre wiederherzustellen. So wurde die EU-Datenschutz-Grundverordnung inzwischen beschlossen und wird ab Mai 2018 verwendbar werden. Sie soll vor allem dafür sorgen, dass Unternehmen im Umgang mit Kundendaten deutliche Vorgaben bekommen und nur Daten abfragen dürfen, die auch erforderlich sind – dies gilt auch für anonymisierte Daten. Auch das Löschen der Daten nach Verwendung soll hier geregelt werden. So soll die digitale Souveränität jedes Einzelnen gewährleistet bleiben und zwar EU-weit.

Auch auf Bundesebene will man dem Verbraucher mehr digitale Souveränität verschaffen. Dies betrifft bereits die Wahl des Anbieters: Der sogenannte „Lock-in“-Effekt verwehrt dem Nutzer die Möglichkeit smarte Geräte von verschiedenen Anbietern miteinander zu verbinden – diese Produktgebundenheit beschneidet die Entscheidungshoheit erheblich, Maas kündigte dazu Konsequenzen an.

Potential ausschöpfen vs. Privatsphäre schützen

Unter den Verbrauchern herrscht geteilte Meinung, was die Nutzung von smarten Technologien angeht: knapp 20 Prozent stehen der digitalen Welt (noch) sehr skeptisch gegenüber und meiden entsprechende Produkte. Gut 30 Prozent der Menschen in Deutschland nutzen durchaus vernetzte Geräte, zumal sie dadurch erhebliche Vorteile wie Arbeitserleichterung und Komfort genießen. Die Datensicherheit ist ihnen allerdings ebenfalls ein hohes Gut. Und so gilt es also, den schmalen Grad zu finden zwischen optimaler Ausnutzung des digitalen Potentials und der gleichzeitigen vollumfänglichen Gewährleistung des Schutzes der eigenen Privatsphäre. Ein digitaler Drahtseilakt, der auch in Zukunft noch für viel Diskussionsbedarf sorgen wird.

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homeandsmart Redaktion Alina Günder

Ausgebildete Veranstaltungskauffrau bei der FUNKE Mediengruppe, Studium der Literatur- und Kulturwissenschaften in Dortmund. Längere Auslandsaufenthalte, um Perspektiven zu wechseln. Praktika in Radio- und Printredaktionen sowie im Online-Marketing. Selbständige Autorentätigkeit bei verschiedenen Onlineformaten. Heute Redakteurin bei homeandsmart.de mit einem kritischen Blick auf neue Technologien. Dabei immer im Fokus: Wie kann smarte Technik unseren Alltag erleichtern?