Warum Smart-TVs gerade in der Kritik stehen
Anfang September haben der YouTube-Kanal Gamers Nexus, der Kanal Level1Techs und unabhängige Sicherheitsforscher LG-Fernseher untersucht. Ihr Vorwurf: Die Geräte sollen Ton auch im Standby erfassen und Informationen über das Heimnetz und andere Geräte sammeln. LG bestreitet das.
Unabhängig von diesem Fall haben Smart-TVs von Samsung und LG eine Inhaltserkennung, die erfassen kann, was du schaust, wenn du ihr zugestimmt hast. Laut den Herstellern lässt sie sich in den Einstellungen abschalten.
Drei Datenströme, die du auseinanderhalten solltest
Drei unterschiedliche Funktionen können dabei eine Rolle spielen: Der Fernseher kann erkennen, welche Inhalte du schaust, Sprachbefehle verarbeiten und Nutzungsdaten für Werbung oder andere Zwecke erfassen. Wichtig ist, diese Datenströme getrennt zu betrachten – denn sie funktionieren unterschiedlich und lassen sich auch an unterschiedlichen Stellen deaktivieren.
Inhaltserkennung (ACR)
ACR steht für Automatic Content Recognition. Der Fernseher erzeugt aus dem laufenden Programm einen digitalen Fingerabdruck, eine Art Prüfsumme des Inhalts. Auf dem Server wird dieser Fingerabdruck mit einer Datenbank abgeglichen. So lässt sich erkennen, welcher Inhalt gerade läuft.
LG erklärt in seiner Stellungnahme vom 12. September, die eigene Inhaltserkennung arbeite mit Audio-Fingerabdrücken und erfasse weder Bildschirmfotos noch Ton- oder Videoaufnahmen. Samsung schreibt auf seiner Supportseite, ACR erzeuge Signaturen, und Samsung zeichne die angezeigten Inhalte nicht auf.
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Bei LG beobachteten sie den ACR-Datenverkehr auch, wenn der Fernseher Inhalte eines über HDMI angeschlossenen Geräts zeigte. Gemessen wurde mit akzeptierten Nutzungsbedingungen und Datenschutzerklärung.
Nachdem die Forscher der Inhaltserkennung in den Einstellungen widersprochen hatten, gab es keine Verbindungen mehr zu den zuvor erkannten ACR-Servern.
Sprachsteuerung
Bei LG startet die Spracherkennung zum Beispiel per Taste auf der Fernbedienung oder per Aktivierungswort. Inhaltserkennung und Sprachsteuerung sind dort getrennte Funktionen mit eigenen Einstellungen. Laut LG erfasst die Inhaltserkennung keine Sprach- oder sonstigen Tonaufnahmen.
Werbung
Für personalisierte Werbung gibt es bei LG, Samsung und Google TV eigene Einstellungen. LG nennt in seiner Stellungnahme Einstellungen für Inhaltserkennung, Sprachfunktionen und Werbung, die sich getrennt verwalten lassen. Bei Google TV hängt die personalisierte Werbung an einer Werbe-ID.
Der Fall LG: Was bekannt ist und was nicht
Gamers Nexus und die beteiligten Forscher werfen LG vor, dass die Fernseher Ton aufnehmen, daraus Transkripte erstellen und diese an LG übertragen und dass sie Informationen über WLAN-Netze und Geräte in der Umgebung sammeln, teils auch im Standby. LG hat am 12. September eine ausführliche Stellungnahme veröffentlicht.
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Die Vorwürfe und LGs Darstellung widersprechen sich. Eine unabhängige Klärung lag bei Redaktionsschluss nicht vor. Inhaltserkennung, Sprachfunktionen und Werbe-Einwilligungen kannst du aber selbst in den Einstellungen festlegen.
Die wichtigsten Schalter nach Marke
Ein Hinweis vorab: Wie die Menüpunkte heißen und wo sie liegen, hängt von Modelljahr, Betriebssystem, Region und Software-Stand ab. Die Pfade unten sind deshalb eine Orientierung. Findest du einen Punkt nicht, hilft die Bedienungsanleitung deines Modells.
| Marke | Inhaltserkennung (ACR) | Sprache und Werbung |
| LG (webOS) | „Live Plus“ ausschalten | Spracherkennung aus, bei manchen Modellen Always Ready aus, Werbe-Einwilligungen prüfen |
| Samsung (Tizen) | „Informationsdienste zur Anzeige“ (Viewing Information Services) aus | Interessenbasierte Werbung aus, Sprachfunktionen prüfen |
| Sony (Google TV / Android TV) | „Samba Interactive TV“ deaktivieren | bei Google TV: Werbe-ID löschen |
| Philips | je nach Modell und Land: „Samba TV“ deaktivieren, falls vorhanden | bei Google TV: Werbe-ID löschen |

LG: Live Plus, Spracherkennung und Always Ready
Bei LG heißt die Inhaltserkennung „Live Plus“. Auf vielen webOS-Geräten findest du sie unter Alle Einstellungen > Allgemein > System > Zusätzliche Einstellungen. Laut LG lassen sich die Inhaltserkennung, die Sprachfunktionen und die Werbe-Einwilligungen in den Einstellungen verwalten, Einwilligungen lassen sich dort auch zurückziehen.
Einige LG-Modelle ab 2022 haben außerdem die Funktion „Always Ready“, je nach Modell und Region. Damit bleibt der Fernseher im ausgeschalteten Zustand teilweise aktiv, zum Beispiel um auf Sprachbefehle zu reagieren. Auf webOS 24 schaltest du sie zum Beispiel unter Alle Einstellungen > Allgemein > Always Ready ab. Laut LG kann der Stromverbrauch im Always-Ready-Modus steigen. Bei unterstützten Modellen gibt es zusätzlich einen Hardware-Schalter, der das eingebaute Mikrofon abschaltet.
Samsung: Informationsdienste zur Anzeige abschalten
Bei Samsung heißt die Inhaltserkennung „Informationsdienste zur Anzeige“, im englischen Menü „Viewing Information Services“. Laut Samsung ist sie nur aktiv, wenn du bei der Einrichtung oder später in den Einstellungen zugestimmt hast. Bei vielen aktuellen Geräten findest du den Schalter unter Allgemein & Datenschutz > Nutzungsbedingungen und Datenschutz, bei anderen Modelljahren an anderer Stelle in den Datenschutzoptionen. Dort lässt sich auf vielen Geräten auch die interessenbasierte Werbung abschalten.
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Sony und Philips: Samba TV abschalten
Bei Sony-Fernsehern mit Android TV oder Google TV kommt für die Inhaltserkennung je nach Modell der Dienst Samba TV zum Einsatz. Laut Sony findest du „Samba Interactive TV“ je nach Modell in den Einstellungen und kannst der Nutzung dort widersprechen oder den Dienst deaktivieren.
Bei Philips ist die Lage weniger eindeutig. Laut den Datenschutzhinweisen für Philips-Fernseher mit Android TV hängt es auch vom Land ab, welche Datenfunktionen es gibt. Diese Hinweise stammen allerdings von 2018. Samba TV beschreibt für Philips-Geräte den Weg Schnelleinstellungen > Allgemeine Einstellungen > Samba TV, weist aber darauf hin, dass die Schritte je nach Modell abweichen. Auch diese Anleitung stammt ursprünglich von 2018.
Ob dein Gerät Samba TV nutzt, steht in den Datenschutzhinweisen oder der Bedienungsanleitung deines Fernsehers.
Läuft dein Fernseher mit Google TV, kommt noch die Werbe-ID von Google dazu. Unter Einstellungen > Datenschutz > Anzeigen kannst du sie löschen. Werbung siehst du danach weiterhin, sie wird aber nicht mehr über diese ID auf dich zugeschnitten.
Fernseher offline, Streaming per Stick
Die radikalste Lösung: den Fernseher gar nicht erst mit dem Internet verbinden. Ohne Internetverbindung kann er keine Daten an die Server des Herstellers schicken. Ob und was er lokal verarbeitet, hängt vom Gerät ab. Nach den Vorwürfen gegen LG sollen die Fernseher Transkripte allerdings zunächst lokal speichern und später übertragen. LG bestreitet das. Für Streaming-Apps nutzt du in diesem Fall einen Streaming-Stick.
PGRpdiBpZD0ic3RhZ2ktMTgwNDcyMDUyNiIgY2xhc3M9InN0YWdpLWluLWNvbnRlbnQtYWQgc3RhZ2ktZW50aXR5LXBsYWNlbWVudCI+PHNjcmlwdCBhc3luYyBzcmM9Ii8vcGFnZWFkMi5nb29nbGVzeW5kaWNhdGlvbi5jb20vcGFnZWFkL2pzL2Fkc2J5Z29vZ2xlLmpzP2NsaWVudD1jYS1wdWItNTU1MjYxOTc4Mjc2NzI1NiIgY3Jvc3NvcmlnaW49ImFub255bW91cyI+PC9zY3JpcHQ+PGlucyBjbGFzcz0iYWRzYnlnb29nbGUiIHN0eWxlPSJkaXNwbGF5OmJsb2NrOyIgZGF0YS1hZC1jbGllbnQ9ImNhLXB1Yi01NTUyNjE5NzgyNzY3MjU2IiAKZGF0YS1hZC1zbG90PSIxOTQwMTkyMjc0IiAKZGF0YS1hZC1mb3JtYXQ9ImF1dG8iPjwvaW5zPgo8c2NyaXB0PiAKKGFkc2J5Z29vZ2xlID0gd2luZG93LmFkc2J5Z29vZ2xlIHx8IFtdKS5wdXNoKHt9KTsgCjwvc2NyaXB0Pgo8L2Rpdj4=Auch der erfasst Daten: Amazon nennt für den Fire TV zum Beispiel Nutzungsdaten des Geräts und der Apps sowie eine Werbe-ID. Laut Amazon lässt sich beides in den Datenschutzeinstellungen des Sticks abschalten. Die Datenerfassung verlagert sich also vom Fernsehhersteller zum Anbieter des Sticks. Wie du einen älteren Fernseher so aufrüstest, zeigen wir in Fernseher smart machen.

Der Fire TV Stick ist die preiswertere der beiden Lösungen. Einen Überblick über die Modelle findest du im Fire TV Test und Vergleich.

Das Apple TV 4K ist die deutlich teurere Alternative.
Drei Gewohnheiten, die zusätzlich schützen
Klick bei der Einrichtung eines neuen Fernsehers nicht einfach auf „Alle akzeptieren“, sondern lies, wozu du zustimmst, und lehne optionale Zustimmungen ab, die du nicht brauchst. Laut LG lassen sich die Grundfunktionen der eigenen Fernseher auch ohne diese optionalen Zustimmungen nutzen.
Um die Nutzungsbedingungen und die Datenschutzerklärung selbst kommst du dagegen kaum herum: In der Studie von 2024 ließen sich ohne diese Zustimmung die meisten Smart-TV-Inhalte der untersuchten Geräte nicht nutzen. Lege außerdem kein Herstellerkonto an, wenn du es nicht brauchst. Und drück die Mikrofontaste der Fernbedienung nur, wenn du wirklich etwas sagen willst.
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