Photovoltaik-Rendite 2026: So erkennt man Schönrechnerei sofort

Eine Rendite von 8 oder 10 Prozent klingt gut, sagt allein aber wenig aus. Wir zeigen, welche Annahmen hinter solchen Zahlen stecken, was eine 10-kWp-Anlage 2026 unter verschiedenen Szenarien tatsächlich erwirtschaften kann und wie du mit einer 10-Punkte-Checkliste jedes Angebot selbst prüfst.

Photovoltaik-Rendite 2026: So erkennt man Schönrechnerei sofort
Wie viel Rendite eine Anlage tatsächlich bringt, hängt von den zugrunde liegenden Annahmen ab. (Studio Romantic / Adobe Stock)

Das Wichtigste in Kürze

  • Photovoltaik kann für Einfamilienhäuser attraktiv sein. Entscheidend sind Anschaffungskosten, Eigenverbrauch und die zugrunde liegenden Annahmen.
  • Bei Renditerechnungen ist die Unterscheidung zwischen Fakten (z. B. kWp, EEG-Satz) und Annahmen (z. B. Strompreis in 15 Jahren) entscheidend.
  • Die EEG-Vergütung für Anlagen bis 10 kWp beträgt seit 1. August 2026 bei Teileinspeisung rund 7,70 ct/kWh und gilt maßgeblich für den Förderzeitraum von grundsätzlich 20 Jahren.
  • Ein Batteriespeicher erhöht den Eigenverbrauch, verbessert die Rendite aber nur unter günstigen Annahmen

Was beeinflusst die Rendite? | Beispielrechnung 10 kWp PV-Anlage | 10-Punkte-Schnellcheck | Das muss in eine seriöse Renditeberechnung

Lohnt sich eine Photovoltaikanlage am Einfamilienhaus?

Kurz: Photovoltaik kann für ein Einfamilienhaus eine attraktive Investition sein. Ob und wie stark sie sich lohnt, hängt von Anschaffungskosten, Eigenverbrauch und den zugrunde gelegten Annahmen ab. Mehr, als eine einzelne beworbene Renditezahl vermuten lässt.

Immer wieder kursiert der Vorwurf einer „Photovoltaik-Rendite-Lüge“: Anbieter und Ratgeber würden mit optimistischen Zahlen rechnen und Renditen versprechen, die in der Praxis nie ankommen. Was stimmt?

Das eigentliche Problem ist selten die Photovoltaik. Es ist die Art, wie ihre Wirtschaftlichkeit berechnet wird. Eine Rendite ist keine Eigenschaft der Anlage, sie ist das Ergebnis eines Rechenmodells. Und dieses Modell steht und fällt mit seinen Annahmen. Dieser Ratgeber zeigt, woran man eine seriöse Rechnung erkennt und bewertet.

Wir erklären, was bei der Aufstellung von Photovoltaik für Einfamilienhäuser zu beachten ist.
Wir erklären, was bei der Aufstellung von Photovoltaik für Einfamilienhäuser zu beachten ist. (diyanadimitrova / Adobe Stock)

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Warum eine einzelne Renditezahl wenig aussagt

Angenommen, ein Anbieter schreibt: „Ihre Photovoltaikanlage erzielt 7,5 % Rendite.“ Das klingt eindeutig. Tatsächlich fehlen dahinter ein Dutzend Angaben. Vom Anschaffungspreis über den Eigenverbrauch bis zur Frage, ob die Zahl vor oder nach Steuern, mit oder ohne Speicher und mit oder ohne Finanzierung gilt.

Der wichtigste Trick beim Renditerechnen ist keine falsche Zahl. Es ist die fehlende Unterscheidung zwischen Fakten und Annahmen.

Fakten (gut bestimmbar)
– Anlagenpreis (Angebot)
– Dachfläche und installierte Leistung (kWp)
– technische Ertragsprognose (Standort, Ausrichtung)
– EEG-Satz zum Inbetriebnahmezeitpunkt

Annahmen (unsicher)
– Strompreis in 10 oder 15 Jahren
– künftiger Eigenverbrauch (neue Geräte, Wärmepumpe, E-Auto)
– Speicherlebensdauer
– Erlöse nach dem Förderzeitraum (Post-EEG)
– Instandhaltungskosten (Reparatur, Reinigung & Ersatz)

Genau diese Unterscheidung fehlt in vielen Renditerechnern. Wer sie kennt, sieht sofort, welcher Teil einer Rechnung belastbar ist und welcher auf Annahmen beruht, die man auch anders treffen könnte.

Die 10-Punkte-Checkliste für eine seriöse PV-Rechnung

Jeder Punkt nennt, worauf man achten sollte, welcher Wert realistisch ist und woran man Schönrechnerei erkennt.

1. Sind alle Investitionskosten enthalten?

Ein sauberes Angebot nennt nicht nur den Modulpreis, sondern die komplette Investition: Module, Wechselrichter, Unterkonstruktion, Montage, Gerüst, Elektroinstallation, Zählerschrankumbau, Netzanschluss und Inbetriebnahme, dazu bei Bedarf Energiemanagement und Speicher.

Gut zu wissen: Für begünstigte Anlagen auf Wohngebäuden beträgt die Umsatzsteuer auf Lieferung und Installation seit 2023 0 % (§ 12 Abs. 3 UStG). Darauf achten, dass ein Angebot klar ausweist, ob der genannte Endpreis diesen Nullsatz bereits berücksichtigt.

Realistischer Richtwert: Als grobe Marktgröße bewegt sich eine 10-kWp-Anlage ohne Speicher 2026 im niedrigen fünfstelligen Bereich (etwa 11.000–14.000 €), mit 10-kWh-Speicher rund 15.000–19.000 €. Konkrete Angebote unterscheiden sich aber erheblich nach Dach, Gerüst, Zählerschrank, Montageaufwand und Komponenten.

Warnsignal: Der beworbene Preis wirkt auffällig niedrig, und der Speicher oder große Posten wie Gerüst und Elektroarbeiten tauchen erst später auf.

2. Wie viel Strom soll die Anlage erzeugen?

Die installierte Leistung in Kilowattpeak (kWp) sagt noch nichts über den Jahresertrag. Entscheidend sind Standort, Dachausrichtung, Neigung, Verschattung und technische Verluste. Eine gute Planung weist den erwarteten Ertrag in Kilowattstunden (kWh) aus, nicht nur in kWp.

Realistischer Richtwert: In Deutschland liefert ein Kilowattpeak je nach Region und Ausrichtung rund 850–1.050 kWh pro Jahr. Süddach, 30° Neigung, keine Verschattung liegen darüber; Nord-, Ost- oder verschattete Flächen deutlich darunter.

Warnsignal: Für jedes Dach wird pauschal derselbe spezifische Ertrag angesetzt, z. B. 1.100 kWh/kWp unabhängig von Lage und Ausrichtung.

Wer den Solarstrom selbst nutzt, etwa zum Laden des E-Autos, erhöht den Eigenverbrauch – der größte Hebel für die PV-Rendite.
Wer den Solarstrom selbst nutzt, etwa zum Laden des E-Autos, erhöht den Eigenverbrauch – der größte Hebel für die PV-Rendite. (Jim White / Adobe Stock)

3. Wie hoch ist der Eigenverbrauch wirklich?

Der Eigenverbrauch ist einer der wichtigsten Werthebel. Eine selbst genutzte Kilowattstunde ersetzt teuren Netzstrom, der 2026 im Bundesschnitt bei rund 37 ct/kWh lag (im Einzelfall je nach Tarif und Region davon abweichend). Eine eingespeiste Kilowattstunde bringt dagegen nur die Einspeisevergütung von aktuell etwa 7,7 ct. Der Unterschied ist fast das Fünffache.

Genau hier wird gern geschönt. Ein Haushalt mit 4.500 kWh Jahresverbrauch nutzt nicht automatisch die Hälfte seines Solarstroms selbst. Entscheidend ist, wann Strom erzeugt und wann er verbraucht wird.

Ein seriöses Angebot zeigt deshalb nicht nur eine Prozentzahl, sondern PV-Erzeugung, Haushaltsverbrauch, Eigenverbrauch und Einspeisung jeweils in kWh. Ein starker Hebel nach oben sind Wärmepumpe und E-Auto: Sie können den Eigenverbrauch deutlich erhöhen, wenn ein Teil ihres Verbrauchs gezielt in die PV-Erzeugungszeiten verschoben werden kann.

Realistischer Richtwert: Die Eigenverbrauchsquote hängt stark vom Verhältnis aus PV-Größe und Stromverbrauch ab. Bei knapp dimensionierten Anlagen sind ohne Speicher 25–35 % erreichbar; bei einer großen 10-kWp-Anlage mit nur 4.000–5.000 kWh Verbrauch dagegen oft nur 15–20 %. Ein Speicher hebt die Quote je nach Auslegung auf grob 25–60 %. Entscheidend ist das Verhältnis, nicht eine pauschale Prozentzahl.

Warnsignal: Eine hohe Eigenverbrauchsquote wird genannt, ohne die zugrunde liegenden kWh und den Haushaltsverbrauch offenzulegen.

Die Kombination aus Photovoltaik und Wärmepumpe gilt als eine der effizientesten Lösungen für die Energieversorgung von Wohngebäuden.
Die Kombination aus Photovoltaik und Wärmepumpe gilt als eine der effizientesten Lösungen für die Energieversorgung von Wohngebäuden. (Robert Poorten / Adobe Stock)

4. Mit welchem Strompreis wird gerechnet?

Je teurer der Netzstrom, desto wertvoller jede selbst genutzte Kilowattstunde. Deshalb sieht jede Rechnung attraktiver aus, wenn man die Strompreise kräftig steigen lässt. Nur: Eine künftige Strompreissteigerung ist eine Annahme, kein Ertrag der Anlage.

Eine belastbare Rechnung zeigt daher mehrere Varianten. Von „keine Steigerung“ bis „optimistisch“. Hängt die schöne Rendite allein an stark steigenden Preisen, sollte das nun klar erkennbar sein.

Realistischer Richtwert: Als Startwert 2026 rund 37 ct/kWh (BDEW-Schnitt). Im Einzelfall abhängig von Tarif, Verbrauch und Region. Die jährliche Steigerung ist eine Szenarioannahme, keine Prognose. Im Modell rechnen wir mit 2,5 % als mittlerem Wert.

Warnsignal: Die attraktive Rendite entsteht erst durch eine dauerhaft hohe jährliche Strompreissteigerung von 5 % oder mehr.

5. Welche Einspeisevergütung wird angesetzt?

Für nicht selbst genutzten Strom zahlt das EEG eine feste Vergütung. Die Höhe hängt von Anlagengröße und Inbetriebnahmezeitpunkt ab und sinkt halbjährlich. Zum 1. August 2026 wurde erneut um 1 % gekürzt. Aktuell sind es bis 10 kWp bei Teileinspeisung rund 7,70 ct/kWh.

Der bei Inbetriebnahme geltende Satz ist für den Förderzeitraum von grundsätzlich 20 Jahren maßgeblich (das Inbetriebnahmejahr zählt anteilig hinzu). Damit ist die Einspeisevergütung deutlich planbarer als der künftige Haushaltsstrompreis: Ihr Satz steht für den Förderzeitraum fest, während der Wert des selbst verbrauchten Stroms von der künftigen Entwicklung des Netzstrompreises abhängt.

Realistischer Richtwert: Bis 10 kWp Teileinspeisung: ca. 7,70 ct/kWh (Stand ab 1.8.2026), maßgeblich für den Förderzeitraum von grundsätzlich 20 Jahren. Volleinspeisung wird höher vergütet, ist für Wohnhäuser aber meist nicht die wirtschaftlichste Variante.

Warnsignal: Es wird ein veralteter oder frei gewählter Satz angesetzt oder die feste Vergütung wird mit einer jährlichen Steigerung versehen, obwohl sie nicht steigt.

6. Wird der Batteriespeicher getrennt bewertet?

Ein Speicher erhöht den Eigenverbrauch. Die entscheidende Frage ist eine andere: Ist der finanzielle Wert des zusätzlich selbst genutzten Stroms größer als die Kosten des Speichers, inklusive Alterung und späterem Ersatz?

Deshalb gehören PV-Anlage und Speicher in getrennte Rechnungen. Ein Speicher kann den Eigenverbrauch heben und trotzdem die Gesamtrendite senken.

Realistischer Richtwert: Ein Speicher kostet installiert rund 350–700 € pro kWh Kapazität. Was zu prüfen ist, ist die vom Hersteller angegebene Zyklen- und Kalenderlebensdauer. Liegt sie unter dem Betrachtungszeitraum von 25 Jahren, gehört ein Austausch als mögliches Szenario in die Rechnung.

Warnsignal: Der Speicher wird allein mit „mehr Eigenverbrauch“ begründet, ohne seine Kosten, Alterung und den Ersatz gegenzurechnen.

Ein Photovoltaik Stromspeicher an einer Hausfassade.
Ein Photovoltaik Stromspeicher an einer Hausfassade. (Alex / Adobe Stock)

7. Sind Degradation und Lebensdauer berücksichtigt?

PV-Module liefern nicht 25 Jahre lang exakt gleich viel. Ihre Leistung sinkt langsam, und einzelne Komponenten halten unterschiedlich lange. Das heißt nicht, dass eine Anlage nach 25 Jahren wertlos ist, denn die Module laufen oft deutlich länger. Aber eine Rechnung sollte nicht so tun, als bliebe immer alles konstant.

Realistischer Richtwert: Moduldegradation rund 0,5 % pro Jahr (moderne Module oft 0,3–0,4 %). Für einen 25-Jahre-Zeitraum sollte ein möglicher Wechselrichtertausch als Annahme berücksichtigt oder ausdrücklich als Risiko ausgewiesen werden.

Warnsignal: Über 25 Jahre wird jedes Jahr exakt derselbe Ertrag angesetzt und es fallen angeblich keinerlei Ersatz- oder Reparaturkosten an.

8. Sind laufende Kosten und Ersatzinvestitionen enthalten?

Nach der Installation ist eine Anlage nicht kostenlos. Dazu zählen je nach Fall Versicherung, Wartung, Monitoring, Instandhaltungskosten, der Wechselrichterersatz und beim Speicher unter Umständen ein späterer Austausch. Man sollte darauf achten, dass diese Kosten transparent auftauchen oder begründet ausgeschlossen werden.

Realistischer Richtwert: Versicherung und Wartung zusammen grob 100–250 € pro Jahr. Für den Wechselrichterersatz einmalig rund 1.000–1.800 € einplanen.

Warnsignal: Laut Rechnung entstehen über 20–25 Jahre praktisch keine laufenden Kosten.

9. Ist die Steuerrechnung aktuell?

Hier kursieren besonders viele veraltete Angaben. Für die hier betrachtete typische EFH-Anlage greift grundsätzlich die Einkommensteuerbefreiung nach § 3 Nr. 72 EStG, sofern die Voraussetzungen erfüllt sind. Maßgeblich ist die Grenze von 30 kWp je Wohn- oder Gewerbeeinheit, zusätzlich höchstens 100 kWp je steuerpflichtiger Person bzw. Mitunternehmerschaft. Einnahmen und Entnahmen begünstigter Anlagen sind dann einkommensteuerfrei.

Realistischer Richtwert: Bei einer typischen EFH-Anlage bis 30 kWp sind Einnahmen und Entnahmen aus dem Betrieb grundsätzlich nach § 3 Nr. 72 EStG einkommensteuerfrei, sofern die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt sind. Beim Kauf gilt 0 % Umsatzsteuer. Hinweis: Diese Angaben ersetzen keine individuelle Steuerberatung.

Warnsignal: Der Anbieter kann nicht erklären, warum seine steuerlichen Annahmen für genau diese Anlage gelten, oder rechnet noch mit voller Einkommensteuer auf die Erlöse.

10. Wird echte Rendite berechnet oder nur Amortisation?

Das ist der wichtigste Punkt. „Die Anlage ist nach neun Jahren bezahlt“ bedeutet nicht „Die Anlage bringt 11 % Rendite“. Amortisation und Rendite sind verschiedene Größen.

Eine echte Renditebetrachtung berücksichtigt alle Zahlungsströme über die gesamte Laufzeit und drückt sie zum Beispiel als internen Zinsfuß (IRR) aus. Dabei muss klar sein: vor oder nach Steuern, mit oder ohne Finanzierung, mit oder ohne Speicher, mit welcher Degradation, mit welchem Strompreis und ob ein Restwert angesetzt wird.

Warnsignal: Es wird nur eine Amortisationszeit genannt und daraus eine Renditezahl abgeleitet oder eine kreditgehebelte Eigenkapitalrendite als „Rendite der Anlage“ verkauft.

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Der häufigste Denkfehler: „Nach zehn Jahren ist die PV-Anlage bezahlt“

Eine PV-Anlage kann sich rechnerisch nach zehn Jahren amortisiert haben. Das heißt nicht, dass sie danach „100 % Rendite“ bringt. Sie erzeugt von Anfang an Zahlungsströme, und für die echte Rendite müssen diese zeitlich gewichtet werden.

Beispielrechnung: 10 kWp Photovoltaik-Anlage am Einfamilienhaus

Damit das alles greifbar wird, rechnen wir nun eine PV-Anlage vollständig durch. Sowohl konservativ, als auch realistisch und optimistisch, jeweils mit und ohne Speicher. Danach zeigen wir, wie stark einzelne Annahmen die Rendite verschieben können.

Wichtig zum Verständnis: Unsere Musteranlage ist bewusst größer dimensioniert als der heutige Verbrauch. Die 10 kWp PV-Anlage erzeugt rund doppelt so viel Strom, wie der Haushalt (4.500 kWh) aktuell braucht – etwa mit Blick auf eine spätere Wärmepumpe. Deshalb liegt die Eigenverbrauchsquote ohne Speicher nur bei etwa 15 %. Das ist kein allgemeiner Richtwert für eine 10-kWp-Anlage, sondern Folge dieser bewussten Auslegung.

Feste Rahmendaten

  • Anlage: 10 kWp auf einem Einfamilienhaus, Haushaltsverbrauch 4.500 kWh/Jahr
  • Investition ohne Speicher: 12.000 € | mit 10-kWh-Speicher: 17.000 € (brutto, 0 % USt)
  • Strompreis im Jahr 1: 37 ct/kWh (Modellannahme) | Einspeisevergütung: 7,70 ct/kWh, Förderzeitraum grundsätzlich 20 Jahre (Jahre 1–20), danach Post-EEG-Annahme
  • Moduldegradation: 0,5 %/Jahr | Betrachtungszeitraum: 25 Jahre | einkommensteuerfrei (§ 3 Nr. 72 EStG)
  • Laufende Kosten: 150 €/Jahr (Versicherung, Wartung) für beide Varianten gleich angesetzt

Die variablen Annahmen je Szenario

AnnahmeKonservativRealistischOptimistisch
Ertrag (Jahresertrag)900 kWh/kWp (9.000 kWh)980 kWh/kWp (9.800 kWh)1.050 kWh/kWp (10.500 kWh)
Strompreissteigerung p.a.1,0 %2,5 %4,0 %
Eigenverbrauch ohne Speicher1.300 kWh1.450 kWh1.600 kWh
Eigenverbrauch mit Speicher2.500 kWh2.800 kWh3.100 kWh
Wechselrichter-ErsatzJahr 12 (1.500 €)Jahr 15 (1.200 €)Jahr 18 (1.000 €)
Speicher-ErsatzJahr 14 (4.000 €)Jahr 16 (3.500 €)keiner
Erlös ab Jahr 21 (Post-EEG)4 ct/kWh6 ct/kWh8 ct/kWh

Beides sind Annahmen, keine Prognosen: Die Strompreissteigerung ist gesetzt, nicht gemessen. Der Erlös ab Jahr 21 ist sogar die unsicherste Größe der ganzen Rechnung: Niemand weiß heute, zu welchem Preis eine Anlage im Jahr 21 ihren Überschussstrom vermarkten kann. Wir behandeln ihn nicht als Prognose, sondern als Sensitivitätsannahme (hier grob 4–8 ct/kWh).

grafik

So haben wir gerechnet

Jährlicher Netto-Cashflow = Wert des Eigenverbrauchs + Einspeise-/Markterlös − laufende Kosten − Ersatzinvestitionen

Der Wert des Eigenverbrauchs steigt mit dem angenommenen Strompreis, der PV-Ertrag sinkt jährlich um 0,5 %. Für die ersten 20 Jahre gilt die EEG-Vergütung, danach der Post-EEG-Szenariowert. Die Rendite (IRR) ergibt sich aus der Anfangsinvestition und den 25 Jahres-Cashflows. Gerechnet wird ungehebelt aus Eigenkapital. Ohne Finanzierung und dank § 3 Nr. 72 EStG ohne Einkommensteuer. So messen wir die Wirtschaftlichkeit der Anlage selbst, nicht die Wirkung eines bestimmten Kredits.

Die Amortisationszeit meint hier den Zeitpunkt, an dem die aufsummierten (nicht abgezinsten) Netto-Cashflows die Anfangsinvestition erstmals ausgleichen. Nicht zu verwechseln mit einer diskontierten Amortisation. Am Ende von Jahr 25 setzen wir bewusst keinen zusätzlichen Restwert an, obwohl die Anlage dann meist noch Strom produziert.

Zur Einordnung der Größenordnung: Im realistischen Fall ohne Speicher fließen über 25 Jahre rund 27.700 € an die Anlage zurück. Bei 12.000 € Einsatz führt das auf die genannten 7,6 % IRR.

Das Ergebnis

KennzahlKonservativRealistischOptimistisch
PV ohne Speicher – Rendite (IRR)5,0 %7,6 %9,9 %
PV ohne Speicher – Amortisation14,4 Jahre11,1 Jahre9,8 Jahre
PV mit Speicher – Rendite (IRR)4,2 %7,4 %10,5 %
PV mit Speicher – Amortisation17,0 Jahre11,0 Jahre9,6 Jahre

Was man daraus liest

  • Die Spanne von rund 5 % bis über 10 % entsteht nicht durch eine andere Anlage, sondern durch andere Annahmen. Wer nur die 10 % angibt, zeigt das optimistische Szenario.
  • Selbst im konservativen Szenario ergibt sich für die Anlage ohne Speicher ein IRR von rund 5 %. Ob das attraktiv ist, hängt vom Vergleichsmaßstab ab.
  • Der Speicher senkt die Rendite im konservativen und realistischen Szenario leicht. Erst wenn die Strompreise stark steigen (optimistisch), wirkt er sich merklich aus. Genau deshalb muss man ihn getrennt rechnen.

Das erste Jahr in Zahlen: Unsere 10 kWp PV-Anlage erzielt 1.029 € Cashflow

Unsere Beispielanlage produziert 9.800 kWh. Davon nutzt der Haushalt 1.450 kWh selbst (Autarkiegrad 32 %, Eigenverbrauchsquote ohne Speicher 15 %). Die restlichen 8.350 kWh werden eingespeist.

Ersparnis Eigenverbrauch: 1.450 kWh × 37 ct536 €
Einspeiseerlös: 8.350 kWh × 7,70 ct643 €
Laufende Kosten (Versicherung, Wartung)− 150 €
Netto-Cashflow Jahr 11.029 €

Über 25 Jahre wächst die Ersparnis mit dem Strompreis, während der Einspeiseerlös nach 20 Jahren auf den Post-EEG-Wert fällt. Aus der Summe aller Jahres-Cashflows und der Anfangsinvestition ergibt sich der interne Zinsfuß von 7,6 %.

Und mit Speicher? Dieselbe Anlage mit 10-kWh-Speicher (Investition 17.000 €) nutzt im ersten Jahr mehr Strom selbst: 2.800 kWh (Autarkiegrad 62 %, Eigenverbrauchsquote 29 %), nur noch 7.000 kWh werden eingespeist.

Ersparnis Eigenverbrauch: 2.600 kWh × 37 ct1.036 €
Einspeiseerlös: 7.000 kWh × 7,70 ct539 €
Laufende Kosten− 150 €
Netto-Cashflow Jahr 11.425 €

Der Cashflow ist also höher als ohne Speicher (1.425 € statt 1.029 €), trotzdem ist die Rendite niedriger (7,4 % statt 7,6 %). Der Grund: Die 5.000 € Mehrinvestition und der Speicher-Ersatz (3.500 € in Jahr 16) wiegen schwerer als der Zugewinn beim Eigenverbrauch.

Über 25 Jahre fließen mit Speicher zwar rund 38.800 € zurück (statt 27.700 €), aber auf einen deutlich höheren Kapitaleinsatz und genau deshalb sinkt die prozentuale Rendite, obwohl unterm Strich mehr Euro zusammenkommen.

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Was bewegt die Rendite am stärksten?

Die spannendste Frage ist nicht „Wie hoch ist die Rendite?“, sondern „Woran hängt sie?“. Dazu gehen wir vom realistischen Fall ohne Speicher aus (Rendite 7,6 %) und verändern jeweils nur eine einzige Annahme. Alles andere bleibt gleich.

HebelAnnahme wird verändert zu …Rendite (IRR)
Eigenverbrauch1.000 kWh (weniger selbst genutzt)5,7 %
Eigenverbrauch2.800 kWh (z. B. mit Wärmepumpe)12,4 %
Kaufpreis10.000 € (günstiger)9,7 %
Kaufpreis15.000 € (teurer)5,3 %
Strompreis Jahr 130 ct/kWh (statt 37)6,2 %
Strompreis Jahr 145 ct/kWh9,0 %
Strompreissteigerung0 % p. a. (statt 2,5 %)6,1 %
Strompreissteigerung4 % p. a.8,6 %
Spez. Ertrag850 kWh/kWp (statt 980)6,6 %
Spez. Ertrag1.050 kWh/kWp8,1 %
Wechselrichterkein Tausch nötig (statt Jahr 15)8,0 %

Erkenntnis: Am meisten Hebel haben Eigenverbrauch und Kaufpreis. Schon eine einzige optimistische Annahme, etwa ein hoher Eigenverbrauch durch eine erst geplante Wärmepumpe, macht aus 7,6 % über 12 %. Genau so entstehen zweistellige Werbe-Renditen. Und genauso schnell schrumpfen sie, wenn Kaufpreis oder Eigenverbrauch ungünstiger ausfallen.

Was ist dran an der „Photovoltaik-Rendite-Lüge“?

Der Begriff ist zugespitzt, aber er hat einen wahren Kern. Man muss ihn nur genau fassen. Die belastbare Version der Kritik lautet nicht „PV bringt keine Rendite“. Sie lautet: Renditen von 8 bis 10 % hängen stark von den zugrunde gelegten Annahmen ab. Vor allem von Eigenverbrauch, Strompreissteigerung, Anschaffungskosten und Ersatzinvestitionen. Fällt eine davon ungünstiger aus, schrumpft die Rendite spürbar.

Das deckt sich mit unserer Beispielrechnung: Die zweistellige Rendite gibt es nur im optimistischen Szenario. Realistisch landen wir bei 7 bis 8 %, konservativ bei rund 5 %.

Umgekehrt gilt das ebenso. Ein „Photovoltaik lohnt sich immer“ kann genauso auf optimistischen Eigenverbrauchs- und Preisannahmen beruhen. Pauschale Urteile in beide Richtungen bringen daher wenig. Entscheidend ist eine Rechnung, deren Annahmen offenliegen.

Was ein seriöses Angebot offenlegen sollte

Ein gutes Angebot muss nicht kompliziert sein, aber immer nachvollziehbar. Idealerweise stehen diese Angaben drin. So lässt sich die Rechnung nachvollziehen und die Annahmen individuell variieren.

KennzahlBeispielangabe
PV-Leistung10,0 kWp
Investition (brutto, alle Posten)14.000 €
Jahresertrag9.500 kWh
Haushaltsverbrauch4.500 kWh
Eigenverbrauch / Einspeisung3.000 kWh / 6.500 kWh
Strompreis Jahr 1 / Steigerung p.a.0,37 €/kWh / 1,5 %
Einspeisevergütung + Inbetriebnahmedatumkonkret angegeben
Degradation / Wechselrichter-Ersatz0,5 %/a / Jahr 15
Laufende Kosten / Ersatzinvestitionenkonkret angegeben
Betrachtungszeitraum25 Jahre
RenditeIRR + Methode (vor/nach Steuern)

Die wichtigste Regel: Eine Rendite ist nur so belastbar wie die Annahmen, aus denen sie berechnet wurde. Deshalb sollte man sich nicht darauf verlassen, was der Anbieter an Rendite verspricht.

Fazit: Genau hinsehen, nachrechnen und vergleichen!

In vielen Fällen ja. Aber „lohnt sich“ heißt nicht automatisch eine zweistellige Rendite. In unserer Musterrechnung reicht das Ergebnis je nach Annahmen von rund 5 % bis knapp 10 %. Das zeigt vor allem eines: Die Rendite folgt dem Rechenmodell, nicht allein der Anlage.

Der Speicher wiederum ist eine eigene Entscheidung. Er bringt Unabhängigkeit und Komfort, verbessert die reine Rendite aber nur unter günstigen Annahmen.

Eine seriöse Rechnung sagt nicht „Diese Anlage bringt 8 % Rendite.“ Sie sagt: „Unter diesen Annahmen ergibt sich diese Rendite. Ändern sich Strompreis, Eigenverbrauch oder Ersatzkosten, ändert sich das Ergebnis.“

Genau das ist der Unterschied zwischen einer Wirtschaftlichkeitsrechnung und einer Verkaufsrechnung. Die beste Rechnung ist nicht die mit der höchsten Zahl, sondern die, bei der jede wichtige Annahme gesehen, hinterfragt und verändert werden kann.

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PV-Renditerechnung: Der 10-Punkte-Check zum selber prüfen

  1. Sind wirklich alle Investitionskosten enthalten (inkl. Speicher, Gerüst, Elektro)?
  2. Ist der erwartete Jahresertrag in kWh realistisch (850–1.050 kWh/kWp)?
  3. Wie viele kWh werden tatsächlich selbst verbraucht? In Zahlen, nicht nur in Prozent!
  4. Mit welcher Strompreissteigerung wird gerechnet (im Beispiel 2,5 % als mittlere Annahme)?
  5. Welche Einspeisevergütung gilt, ab welchem Inbetriebnahmedatum (ca. 7,70 ct, 20 Jahre + Inbetriebnahmejahr)?
  6. Ist der Speicher getrennt wirtschaftlich betrachtet?
  7. Werden Degradation (ca. 0,5 %/a) und Lebensdauern berücksichtigt?
  8. Sind laufende Kosten und Ersatzinvestitionen (Wechselrichter, Speicher) enthalten?
  9. Ist die Steuerrechnung aktuell (§ 3 Nr. 72 EStG, 0 % USt)?
  10. Wird eine echte Rendite (IRR) berechnet oder nur eine Amortisationszeit? Und mit Eigen- oder Fremdkapital?

Quellen

Bundesnetzagentur – EEG-Fördersätze
Verbraucherzentrale – Lohnt sich Photovoltaik?
§ 51 EEG | § 3 EStG | § 12 UStG
BMF-Schreiben § 3 Nr. 72 EStG
BDEW-Strompreisanalyse
Solarspitzengesetz-Überblick (Clearingstelle, PDF)
Fraunhofer ISE – Aktuelle Fakten zur Photovoltaik (PDF)

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