LiDAR mit oder ohne Kamera: Was ein Saugroboter wirklich braucht

Ein Ladekabel auf dem Boden trennt zwei Welten. Der eine Saugroboter fährt darüber und meldet danach einen Fehler, der andere weicht elegant aus. Entscheidend ist nicht die Saugkraft, sondern die Navigation: reiner Laser oder Laser plus Kamera. Zwischen beiden Ansätzen liegen mehrere hundert Euro, und ob sich die lohnen, hängt davon ab, wie voll die eigenen Böden sind.

LiDAR mit oder ohne Kamera: Was ein Saugroboter wirklich braucht
Lidar mit oder ohne Kamera: Wie navigiert der Saugroboter sicherer? (home&smart/ KI)

Das Wichtigste in Kürze: Wie navigieren Saugroboter?

  • Der Laser baut die Karte, die Kamera erkennt, welche Hindernisse im Weg liegen. Für die Kartenqualität selbst bringt die Kamera wenig.
  • Ohne Kamera weiß ein Roboter, dass etwas im Weg liegt, aber nicht, ob es ein Kabel, ein Schuh oder ein Spielzeug ist.
  • Im Dunkeln fällt die Kamera weitgehend aus. Wer nachts saugen lässt, hat vom Hybridsystem am wenigsten.
  • LiDAR erfasst Raumgeometrie, die Kamera erzeugt Bilder aus der Wohnung. Das ist der entscheidende Unterschied beim Datenschutz.
  • Faustregel: freie Böden sprechen für reines LiDAR, volle Böden für Kameraunterstützung.

Der Turm auf dem Saugroboter ist ein rotierender Laser, keine Kamera. Wer das einmal verstanden hat, sieht auch, warum die Frage nach der Kamera beim Kauf über deutlich mehr entscheidet als über ein paar Komfortfunktionen.

Welcher Saugroboter navigiert mit welcher Technik?

Zwei Geräte machen das greifbar, beide von Roborock. Das ist Absicht, denn so fällt der Markenfaktor aus der Rechnung und übrig bleibt der reine Technikunterschied. Der Roborock Qrevo S Pro kartiert per PreciSense LiDAR und erkennt Hindernisse über strukturiertes Licht, eine Kamera hat er nicht. Im home&smart Test kam er auf 83 von 100 Punkten, zu haben ist er schon ab rund 390 Euro.

Roborock Qrevo S Pro
TESTNOTE
Gut
83/100 Punkte • 05/2026
Gute Preis-Leitung
Sehr gute Wischergebnisse
Mopp-Reinigung mit heißem Wasser und Luft
Nicht optimale Saugergebnisse
ab 589,99 
TESTNOTE
Gut
83/100 Punkte • 05/2026
Stand: 20.09.2026

Der Roborock Saros 20 Flow Complete arbeitet mit Solid-State-LiDAR, RGB-Kamera und dem StarSight System 2.0, holte auf der IFA 2026 den home&smart Innovation Award und kostet je nach Angebot zwischen 1.000 und 1.500 Euro. Ob sich dieser Aufpreis auszahlt, hängt davon ab, wie voll die Böden sind.

Roborock Saros 20 Flow Complete
TESTNOTE
Sehr Gut
95/100 Punkte • 09/2026
Top Saug- und Wischleistung
Sehr gut für Haare geeignet
8,8 cm Hindernisüberwindung
Top-Ausstattung und Design
Sehr niedrige Bauweise
Hohe UVP
Schwächen bei der Reinigung von Ecken
ab 1.299,00 
TESTNOTE
Sehr Gut
95/100 Punkte • 09/2026
Stand: 10.09.2026

LiDAR und Kamera: So navigieren Saugroboter

Der rotierende Turm des Qrevo S Pro schickt Lichtstrahlen in alle Richtungen. Sie treffen Wände, Möbel und Türrahmen, kommen zurück, und aus der Laufzeit errechnet der Roboter Entfernungen. Innerhalb weniger Minuten steht eine präzise Karte der Wohnung. Licht spielt dabei keine Rolle. Ob die Sonne scheint oder der Roboter nachts um zehn losfährt, ändert nichts an der Genauigkeit.

Kantenreinigung des Roborock Qrevo S Pro.
Kantenreinigung des Roborock Qrevo S Pro. (Marius Nann)

Für die Hinderniserkennung nutzt er Reactive Tech. Dabei wirft der Roboter ein Lichtmuster auf den Boden vor sich. Verformt sich dieses Muster, liegt dort etwas. Der Roboter weiß damit, dass ein Objekt im Weg ist, aber nicht, welches.

Der Saros 20 Flow Complete geht einen anderen Weg. Statt eines Turms sitzt ein Solid-State-LiDAR flach in Front und Seiten des Gehäuses, ergänzt um 3D-ToF-Sensoren. Genau deshalb misst er nur knapp acht Zentimeter Bauhöhe. Dazu kommt eine RGB-Kamera, die das Bild an die Objekterkennung weiterreicht. Laut Roborock unterscheidet das System über 300 Objekttypen. Der Roboter erkennt das Kabel vor dem Schreibtisch damit als Kabel und nicht bloß als Umriss.

Beide bauen also eine Karte. Unterschiedlich ist, was sie mit den Dingen darauf anfangen.

Kartenerstellung: Kein Unterschied zwischen beiden Systemen

Beim ersten Erkundungslauf nehmen sich die beiden Modelle wenig. Beide trennen Räume sauber voneinander, beide legen mehrere Etagen an, beide finden nach umgestellten Möbeln wieder zurecht. Wer hofft, mit der Kamera schneller an eine bessere Karte zu kommen, zahlt für nichts. Das Bildmodul schaltet sich erst ein, wenn die Karte längst steht.

Die Roborock App dient zur Navigation und Steuerung des Saugroboters
Die Roborock App dient zur Navigation und Steuerung des Saugroboters (Wayne Allinger/home&smart) (Marius Nann/ home&smart)

Hinderniserkennung: Wo reines LiDAR an Grenzen stößt

Der praktische Unterschied zeigt sich an einem einzigen Gegenstand: einem Ladekabel auf dunkelgrauem Vinylboden.

Genau daran scheitern Geräte ohne Kamera regelmäßig, und der Qrevo S Pro ist da keine Ausnahme. Größere Objekte wie Stuhlbeine, Schuhe oder Hausschuhe erkennt das strukturierte Licht zuverlässig. Flache Kabel dagegen verformen das projizierte Lichtmuster kaum, der Roboter fährt darüber, das Kabel wickelt sich um Seitenbürste oder Hauptwalze. Auch kleine Spielzeugautos landen häufiger unter dem Gerät als daneben.

ROBOROCK Saros 20 Flow Complete
Stand: 10.09.2026
ROBOROCK Saros 20 Flow Complete
Ultraflacher Walzenmopp-Saugroboter mit 36.000 Pa Saugkraft und automatischer Warmwasser-Selbstreinigung, der Doppelschwellen bis 8,8 cm überwindet und bis zu 65 Tage ohne manuelle Staubentleerung läuft.
Media Markt
1.299,00 
Stand: 10.09.2026

Der Saros 20 Flow Complete geht anders an dieselbe Situation heran. Er verlangsamt, weicht in einem Bogen aus und legt in der App ein Foto des Hindernisses ab. Dasselbe Prinzip greift bei einer Socke, einem Kinderschuh oder einem Hundespielzeug. Diese Unterscheidung leistet ausschließlich die Kamera.

Vollständig gelöst ist das Problem allerdings auch in der Oberklasse nicht. Sehr dünne Schnüre und Kordeln bleiben für alle aktuellen Systeme eine Schwachstelle.

Der neue Saros 20 Flow Complete zeichnet sich durch seine niedrige Bauweise aus.
Der neue Saros 20 Flow Complete zeichnet sich durch seine niedrige Bauweise aus. (Marius Nann/ home&smart)

Saugroboter bei Dunkelheit: Die Kamera fällt aus

Der Saros 20 Flow Complete verliert nach Sonnenuntergang genau den Vorteil, für den er gekauft wurde. Ein LED-Licht in der Front hilft der Kamera ein Stück weit, an das Tagesniveau kommt die Objekterkennung damit aber nicht heran. Navigiert wird dann im Wesentlichen über das LiDAR.

Roborock Qrevo S Pro
Stand: 20.09.2026
Roborock Qrevo S Pro

Saugt und wischt zuverlässig – mit ausfahrbarem Mopp für Kanten und einer Station, die die Wischpads mit 75 °C heißem Wasser reinigt und trocknet.

TESTNOTE
Gut
83/100 Punkte • 05/2026
Amazon
589,99 
TESTNOTE
Gut
83/100 Punkte • 05/2026
Stand: 20.09.2026

Der Qrevo S Pro hat dieses Problem nicht, weil er es gar nicht erst haben kann. Sein Laser braucht keine Helligkeit, und das strukturierte Licht projiziert er selbst. Was er bei Tag leistet, leistet er auch um Mitternacht.

Wer den Roboter grundsätzlich nachts laufen lässt, bezahlt für ein Feature, das in diesen Stunden nur eingeschränkt arbeitet.

Wartung: Die Kameralinse braucht Pflege

Ein Punkt, der in keiner Produktbeschreibung auftaucht: Optik lebt von freier Sicht. Setzt sich Staub oder ein Haar auf der Kameralinse ab, wird die Objekterkennung ungenauer, und genau dafür wurde die Kamera gekauft. Ein Mikrofasertuch löst das Problem.

Der Qrevo S Pro hat diese Schwachstelle nicht. Sein Lasersensor arbeitet unabhängig davon, wie sauber seine Umgebung ist.

Datenschutz: Was LiDAR und Kamera speichern

Ein Saugroboter fährt durch jeden Raum der Wohnung. Was er dabei aufzeichnet, unterscheidet sich je nach Technik erheblich.

Datenschutz: Auch bei Saugrobotern kein einfaches Thema.
Datenschutz: Auch bei Saugrobotern kein einfaches Thema. (home&smart/ KI)

Der Qrevo S Pro sammelt Raumgeometrie: Linien, Flächen, Abstände. Daraus lässt sich ein Grundriss lesen, aber nicht erkennen, ob im Wohnzimmer ein Sofa aus den Siebzigern steht oder wie viel Wäsche auf dem Stuhl liegt.

Beim Saros 20 Flow Complete kommen echte Bilder dazu. Die Verarbeitung läuft auf dem Gerät, und im normalen Betrieb bleibt das Material lokal. Interessant wird es in den Randfällen: bei Supportanfragen, Fehlerdiagnosen und Softwareupdates. Die Datenschutzerklärung lässt hier mehr Spielraum, als manchem Nutzer lieb sein dürfte. Wer keine Bilder aus der eigenen Wohnung auf einem vernetzten Gerät haben will, greift zum Laser.

Für wen sich welche Navigation lohnt

Die aufgeräumte Wohnung

Zwei Zimmer, siebzig Quadratmeter, eine Person, kaum Deko, keine Tiere. Vor dem Reinigungslauf sind die Böden ohnehin frei. Hier gibt es nichts zu erkennen, weil nichts herumliegt, und die Kamera hätte keinen einzigen Einsatz.

Der Qrevo S Pro hat im Test gute Wischergebnisse erbracht.
Der Qrevo S Pro hat im Test gute Wischergebnisse erbracht. (Marius Nann)

Der Qrevo S Pro erledigt diesen Job, und zwar mit einer klaren Einschränkung: Auf Hartböden und kurzflorigen Teppichen liefert er gute Ergebnisse, bei höheren Teppichen blieben im home&smart Test Schmutz und vor allem Haare zurück. Für eine Hartbodenwohnung ist das die günstigste vernünftige Lösung am Markt.

Der Haushalt mit Kindern und Tieren

Zwei Kinder, ein Hund, 120 Quadratmeter. Dort liegt immer etwas: Bausteine, ein Ladekabel, ein Kauknochen, der Turnbeutel neben der Tür. Wer hier ein Gerät ohne Kamera einsetzt, sammelt den Roboter regelmäßig wieder ein, und bei Tierhaaren stößt die Saugleistung der Mittelklasse zusätzlich an ihre Grenzen.

Der Saros 20 Flow Complete löst beide Probleme. Die Objekterkennung hält ihn von Kabeln und Spielzeug fern, die Moppwäsche mit 100 Grad statt 75 Grad passt zum Alltag mit Tieren. In dieser Konstellation zahlt sich der Aufpreis aus.

Der Nachtnutzer

Wer den Roboter grundsätzlich um zehn Uhr abends startet, bekommt vom Hybridsystem am wenigsten. Die Kamera arbeitet im Dunkeln nur eingeschränkt, die Mehrkosten laufen ins Leere. Hier spricht alles für den Laser, das Datenschutzargument eingeschlossen.

Fazit: LiDAR oder Kamera kaufen?

Die Kamera löst ein bestimmtes Problem, nämlich Böden, die selten frei sind. Wer dieses Problem nicht hat, bezahlt für eine Funktion, die im eigenen Zuhause nie zum Einsatz kommt.

Der neue Roborock Saros 20 Flow Complete im home&smart Test.
Der neue Roborock Saros 20 Flow Complete im home&smart Test. (Marius Nann/ home&smart)

Der Roborock Qrevo S Pro zeigt, wie weit ein sauber abgestimmtes Lasersystem für unter 400 Euro trägt. Die 83 Punkte im home&smart Test spiegeln genau das wider: solide Grundleistung, klare Grenzen bei Kabeln und Hochflor. Der Saros 20 Flow Complete zeigt, was Bildverarbeitung bringt, wenn der Alltag unordentlich ist, und bringt dazu die Ausstattung, die den Aufpreis mitträgt.

Die Entscheidungsregel ist simpel: Wer den Boden vor dem Start ohnehin frei räumt, spart mit reinem LiDAR mehrere hundert Euro. Wer das nicht will oder nicht schafft, kauft mit der Kamera die einzige Technik, die diesen Job zuverlässig übernimmt.

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