Heizung an und die Wohnung ist trotzdem arschkalt? Das sind die Gründe

Die Heizung läuft, das Thermostat steht auf 21 Grad – und trotzdem bleibt es auf dem Sofa ungemütlich? Wenn Außenwand oder Fenster kalt sind oder das Thermostat verdeckt ist, können kalte Flächen oder ein Wärmestau am Fühler die Ursache sein. Auch ein Heizkörper, der nicht richtig warm wird, kommt infrage. So findest du heraus, woran es liegt.

Heizung an und die Wohnung ist trotzdem arschkalt? Das sind die Gründe
Wärmebrücke, Wärmestau oder Strahlungskälte - so checkst du die häufigsten Ursachen für kalte Wohnräume. (nicoletaionescu / Adobe Stock)

Das Wichtigste in Kürze

  • Prüfwert: Die Oberflächentemperatur der Wand hilft zu beurteilen, ob eine kalte Fläche das Kältegefühl erklärt.
  • Thermostat: Erst den Fühler freilegen, dann die Wand prüfen. Ein verdeckter Fühler kann eine höhere Temperatur messen, als im übrigen Raum herrscht.
  • Schimmelrisiko: Kalte Oberflächen sind nicht nur ein Komfortproblem. An ihnen kann Tauwasser entstehen; Schimmel kann sich auch ohne sichtbares Kondenswasser entwickeln.
  • Heizenergie: Wer die Ursache behebt und sich bei niedrigerer Raumtemperatur behaglich fühlt, kann Heizkosten reduzieren.

Warum 21 Grad nicht automatisch „warm“ bedeuten

Das Thermostat steht auf 21 °C, die Luft wirkt okay, aber neben Fenster oder Außenwand fühlt sich der Raum „kalt“ an. Der Grund: Behaglichkeit hängt nicht nur an der Lufttemperatur.

Nach DIN EN ISO 7730 und ASHRAE 55 ergibt sich die operative (gefühlte) Temperatur aus Lufttemperatur und mittlerer Strahlungstemperatur der umgebenden Flächen. Bei geringer Luftgeschwindigkeit lässt sie sich näherungsweise als Mittel dieser beiden Temperaturen berechnen. Kalte Wandflächen drücken diesen Wert, auch wenn das Thermostat 21 °C anzeigt.

Kalte Außenwand: Strahlung macht den Raum „zugig“

Wenn Fensterflächen oder Außenwände kalt bleiben, kann selbst bei 22 bis 23 °C Lufttemperatur ein Kältegefühl entstehen. Umgekehrt können 19 bis 20 °C als angenehm empfunden werden, wenn Wände und Decken warm sind. Ob ein Raum behaglich ist, hängt allerdings auch von Luftbewegung, Kleidung und Aktivität ab.

Bei einer nicht gedämmten Außenwand liegt die raumseitige Oberflächentemperatur häufig mehrere Grad unter der Raumlufttemperatur. Das kann als Kältegefühl wahrgenommen werden, obwohl es nicht unbedingt tatsächlich zieht. Spürbare Luftbewegung kann aber auch durch undichte Fenster oder Türen entstehen.

Raumecke als Schwachstelle bei ungedämmter Außenwand

Was viele nicht wissen: Wärmebrücken können an Raumecken und Fensterlaibungen auftreten. Nach einem Beispiel des Instituts Wohnen und Umwelt (IWU) kühlt eine Raumecke bei einer ungedämmten Außenwand im Vergleich zur restlichen Außenwandfläche deutlich stärker ab.

Der praktische Check: Fühlt sich die Ecke deutlich kälter an als die Wand daneben, lohnt sich eine Messung der Oberflächentemperatur, nicht nur der Lufttemperatur.

Ursache prüfen: Thermostat, Wandtemperatur und Feuchte

1) Thermostat freimachen: Hängt der Thermostatkopf hinter einer dicken Gardine, einem Vorhang oder in einer Nische, staut sich Wärme am Fühler. Dann misst er möglicherweise eine höhere Temperatur als im übrigen Raum und der Heizkörper wird zu früh gedrosselt. Auch ein Sofa oder ein Vorhang vor dem Heizkörper kann die Wärmeverteilung im Raum behindern. Halte deshalb sowohl den Thermostatkopf als auch den Heizkörper möglichst frei.

2) Oberflächen messen: Vergleiche die Temperatur von Außenwand und Raumecke mit der Lufttemperatur. Deutlich kältere Oberflächen können das Kältegefühl verstärken. Eine feste Drei-Grad-Grenze für jede einzelne Wand lässt sich daraus aber nicht ableiten. Eine Oberflächenmessung hilft, kalte Stellen zu erkennen, ersetzt jedoch keine bauphysikalische Bewertung.

Eine Beispielrechnung für 20 °C Raumtemperatur und 50 % relative Luftfeuchte ergibt einen Taupunkt von 9,3 °C. Sinkt die Oberflächentemperatur darunter, kann sich Tauwasser bilden. Schimmel kann sich an dauerhaft feuchten oder kalten Oberflächen allerdings auch schon entwickeln, bevor sichtbares Tauwasser entsteht.

3) Heizkörper prüfen: Wird der Heizkörper trotz aufgedrehtem Thermostat nicht richtig warm oder gluckert er, kann Luft im Heizkörper stecken. Entlüften kann helfen. Bleibt das Problem bestehen, kommen auch ein klemmendes Ventil oder eine ungünstige Einstellung der Heizungsanlage infrage. Dann sollte die Ursache fachlich geprüft werden.

4) Feuchte im Blick behalten: In schlecht gedämmten Wohnungen sollte die relative Luftfeuchte im Winter möglichst unter 50 % bleiben. Mit einem Hygrometer lässt sich die Luftfeuchte prüfen. Gerade an kalten Außenwänden kann sie direkt an der Oberfläche deutlich höher sein als in der Raumluft.

5) Temperatur nicht unnötig hochdrehen: Das Umweltbundesamt nennt für Wohnräume rund 20 °C als Richtwert, sofern das als behaglich empfunden wird. Entscheidend ist, ausreichend zu heizen und zugleich unnötig hohe Temperaturen zu vermeiden. Eine Absenkung um 1 Grad kann den Heizenergieverbrauch nach einer verbreiteten Faustregel um rund 6 % senken. Wie viel tatsächlich gespart wird, hängt unter anderem vom Gebäude und vom Heizverhalten ab.

Werkzeug für den Vergleich: Infrarotthermometer

Ein Infrarotthermometer misst die Oberflächentemperatur von Wand und Ecke. Dieser Wert lässt sich mit der Lufttemperatur vergleichen. Wichtig ist dabei: Material und Oberfläche zählen, und der Emissionsgrad muss zum Messobjekt passen, sonst kann der Messwert abweichen. Typische Fehler sind ein ungeeigneter Emissionsgrad, ein zu großer Messabstand im Verhältnis zur Messfleckgröße oder eine verschmutzte Optik. Durch Glas lässt sich die tatsächliche Wandtemperatur nicht zuverlässig messen.

Für die Wandmessung zählen eine ausreichende Genauigkeit und ein zur Messfleckgröße passender Messabstand. Ein einstellbarer Emissionsgrad kann hilfreich sein, sofern er korrekt auf die Oberfläche abgestimmt wird. Die Raumlufttemperatur sollte möglichst separat am Aufenthaltsort gemessen werden, nicht einfach anhand der Thermostateinstellung.

Fazit: Messwerte statt Thermostatanzeige beurteilen

Liegt die Wand deutlich unter der Raumlufttemperatur, kann die kalte Fläche eine Ursache des Kältegefühls sein. Höher heizen hilft dann möglicherweise nur begrenzt: Bei kalten Flächen kann sich der Raum selbst bei 22 bis 23 °C Lufttemperatur kühl anfühlen. Prüfe deshalb zuerst, ob Thermostat und Heizkörper frei sind und richtig funktionieren. Nähert sich die Oberflächentemperatur dem Taupunkt, geht es nicht mehr nur um Komfort, sondern auch um Tauwasser- und Schimmelschutz.

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