Neuer Dieselskandal & die THG-Quote 2024 Palmölschwindel führt zu niedrigeren Prämien für E-Autobesitzer

Für das Einsparen von Treibhausgasen sollen E-Auto-Besitzer sowie Ladestationen-Betreiber mit einer Prämie belohnt werden. Die jährlich anfallende THG-Prämie dürfte dieses Jahr allerdings niedriger ausfallen als erhofft. Der Grund: Die Mineralölkonzerne profitieren lieber von offenbar falsch deklariertem Biokraftstoff aus China, gegen den weiterhin wenig unternommen wird.

Ein Biokraftstoff Skandal führt zu geringeren THG-Prämien

THG Quote 2024 - Was ist eigentlich los?

Spätestens seit dem Pariser Klimaschutzabkommen steht der Kampf gegen Treibhausgase (THG) ganz oben auf der Prioritätenliste der beteiligten Nationen. Zumindest auf dem Papier. Wie ernst es den Verantwortlichen im Einzelfall ist, dass die klar geregelten Vorgaben von den Mineralkonzernen tatsächlich eingehalten werden, darf angesichts eines neuerlichen Dieselskandals allerdings bezweifelt werden. Zwar ist im Bundesimmissionsschutzgesetz klar festgelegt, dass Mineralölkonzerne ihre Treibhausgas-Emissionen bis 2030 schrittweise um 25 Prozent reduzieren müssen. Allerdings wird hier offenbar nicht sauber gearbeitet. 

Eigentlich sollen Besitzer von E-Autos sowie öffentlich zugänglicher Ladestationen für ihren Beitrag zur Reduzierung der Treibhausgas-Emissionen belohnt werden, indem sie jedes Jahr eine stattliche Prämie erhalten. Die Prämie erhalten sowohl Privatpersonen als auch Unternehmen und Behörden, die üblicherweise mittels eines THG-Quotenhändlers beim Umweltbundesamt ein entsprechendes Zertifikat für ihr E-Fahrzeug bzw. ihre Ladestation beantragt haben. Die Quotenhändler bieten diese Zertifikate dann gebündelt den Mineralölkonzernen an, die so letztlich mit dazu beitragen müssen, den Umstieg auf Elektromobilität attraktiver zu machen.

Palmöl-basierte Biokraftstoff sind für Mineralölkonzerne billiger als THG-Zertifikate

Allerdings zahlen die Mineralölkonzerne mittlerweile deutlich weniger für die THG-Zertifikate als noch vor einem Jahr. Der Hauptgrund dafür ist ein rasanter Anstieg des Imports von Palmöl-basierten Biokraftstoffen aus China. Eigentlich können Palmöle aufgrund der umweltschädlichen Herstellung seit Januar 2023 nicht mehr auf die THG-Quote angerechnet werden. 

Dies ist seitdem nur mit „fortschrittlichen Biokraftstoffen“ der zweiten Genration möglich. Allerdings befindet sich auf der aktuellen Nabisy-Biomassecode-Liste der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) weiterhin ein Palmölreststoff. Das ist problematisch. Denn so können Mineralölkonzerne, die mit Palmölreststoffen hergestellte Biokraftstoffe in Umlauf bringen, ihre THG-Quote leicht und billig erzielen. 

Auf die THG-Zertifikate von E-Fahrzeugbesitzern sind die Konzerne somit nicht länger angewiesen, um ihre THG-Quote zu erreichen. Als Folge dessen sinken die E-Prämien – und mit ihr die Lust der Deutschen, auf E-Mobilität umzusteigen.

Unerklärlicher Anstieg an Importen aus China hat gravierende Auswirkungen

Daran, dass es bei dem rasanten Anstieg des Exports von „fortschrittlichem Biokraftstoff“ aus China sauber zugeht, glaubt in der hiesigen Industrie niemand. Nicht nur Claus Sauter, Vorstandsvorsitzender des deutschen Biokraftstoffunternehmens Verbio SE, sieht hier einen neuen Dieselskandal – bei dem diesmal nicht die Motoren, sondern der Kraftstoff manipuliert wurde. 

In der Tat ist es schwer erklärlich, dass plötzlich 95 Prozent aller Palmölreststoff-basierenden „fortschrittlichen Kraftstoffe“ aus China kommen, wo spätestens seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie keine Kontrollen vor Ort mehr möglich sind. Und obwohl die Frachtkosten aus China laut Claus Sauter 20 Prozent des Preises ausmachen, kostet die „Top-Ware“ aus China die Mineralölkonzerne gerade mal die Hälfte dessen, was vorher in Europa bezahlt wurde. 

„Das kann nicht sein und hat gravierende Auswirkungen“, betont Sauter. Dazu gehört neben den sinkenden THG-Prämien für E-Autofahrer auch die Tatsache, dass mittlerweile die Hälfte aller Anlagen in Europa, die Altspeisefett verarbeiten, stillstehen.

Das liegt auch daran, dass deutsche Unternehmen einen großen Aufwand betreiben müssen, um nachzuweisen, ob sie überhaupt technisch in der Lage sind, die Reststoffe so zu verarbeiten, dass am Ende verwertbarer Biodiesel bzw. Hydriertes Pflanzenöl (HVO) entsteht, das dem herkömmlichen Dieselkraftstoff beigemischt werden kann. Wie viel Energie dafür verwendet wurde und aus welchen Unternehmen die Reststoffe stammen, muss ebenfalls belegt werden.

Da HVO zu 100 Prozent auf Palmöl basiert, das wiederum vor allem in Indonesien produziert wird, stellt sich die Frage, wieso kein anderes Land außer China diese Mengen an Palmölreststoffen produziert. Laut Claus Sauter gibt es in China weder derartige Mengen an Reststoffen noch die notwendige Anzahl an Anlagen, um diese in Hydriertes Pflanzenöl umzuwandeln. Die Mineralkonzerne wüssten deshalb auch genau, „dass das nicht sauber ist“, so Sauter.

Umwelt und E-Fahrzeugbesitzer sind die Verlierer

Eigentlich könnte das Problem leicht gelöst werden. So sollten Biokraftstoffe nur dann auf die THG-Quote angerechnet werden können, wenn sich deren Herkunft und Produktion lückenlos nachvollziehen lassen. Denn nur so wäre gewährleistet, dass die Umwelt auch wirklich entlastet wird.

Behörden, denen der Umweltschutz mehr am Herzen liegt als Handelsbeziehungen zu China und der Profit von Mineralölkonzernen, wären diesen Schritt wohl schon längst gegangen. Doch anstatt den offensichtlichen Tricksereien einen Riegel vorzuschieben, schieben sich die zuständigen Behörden und Zertifizierungsinstanzen in Deutschland lieber gegenseitig die Schuld zu. Die einzigen, die sich darüber freuen können, sind die Mineralölkonzerne, die von den billigen Palmöl-basierten Importen profitieren. Die Verlierer sind die Umwelt – und alle E-Fahrzeugbesitzer, die sich mit niedrigeren THG-Prämien abfinden müssen. 

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Redakteur Tillmann Braun

Freier Journalist und Kommunikationsberater für Non-Profit-Organisationen. Sein Fachgebiet sind innovative IT-Lösungen für die Vernetzung von Menschen und Maschinen, insbesondere intelligente (Heim-)Netzwerke, IoT und Machine-to-Machine-Kommunikation, Mobile Payment, IT-Strategien und vielfältig einsetzbare Kommunikationssysteme.

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