Reichweiten-Verlust von Elektroautos E-Autos & Reichweitenverlust | Nachlass der Leistungsfähigkeit

Fahrern eines Elektroautos dürfte das Phänomen nicht fremd sein: Je häufiger Sie die Batterie Ihres Stromers auf- und entladen, desto mehr büßt diese an Leistungsfähigkeit ein. Ein ähnliches Verhalten kennt man im Alltag vor allem bei den Akkus von Mobiltelefonen. Im Fachjargon bezeichnet man das als Memory Effekt. Man kann jedoch selbst eine ganze Menge dafür tun, damit das Fahrzeug in Sachen Reichweite noch eine lange Zeit ganz vorn mitfährt. Hier geben wir einen Überblick über die größten Kilometerkiller sowie wertvolle Tipps, wie dem Reichweitenverlust effektiv entgegen gewirkt werden kann.

Durch welche Faktoren verringert sich die Reichweite eines Elektrautos?

Genau wie in einem Auto mit Verbrennungsmotor gehören mittlerweile auch in elektrisch betriebenen Fahrzeugen immer mehr Stromverbraucher bereits zur Basisausstattung. Dabei hat sich vor allem die Klimaanlage als größter Feind des Akkus herauskristallisiert. In einem kürzlich durchgeführten Praxistest des ADAC verloren Elektroautos verschiedener Hersteller bei hohen Außentemperaturen und gleichzeitig eingeschalteter Klimatisierung bis zu 22 Prozent ihrer Reichweite. Ein ähnliches Verhalten lässt sich aber auch bei besonders niedrigen Temperaturen beobachten. Im Winter verbrauchen Innenraum- und Sitzheizung sowie die Gebläse für Front- und Heckscheibe mehr Energie. Zudem erhöht sich aufgrund der Kälte die Motorreibung, wodurch ein zusätzlicher Stromverbrauch entsteht. Abhängig von dem jeweiligen Modell kann so der Reichweitenverlust sogar bis zu 70 Prozent betragen.

Der Durchschnittswert für den Leistungsverlust liegt herstellerübergreifend bei rund 50 Prozent. Ferner hat sich herausgestellt, dass der Ladevorgang bei niedrigen Temperaturen auch deutlich mehr Zeit in Anspruch nimmt. Sie sollten Ihren Stromer daher grundsätzlich in einer Garage unterbringen, um ein extremes Auskühlen des Akkus zu vermeiden, und stets das Vorheizsystem verwenden, sofern Ihr Auto über eines verfügt. Moderates Heizen kann sich ebenfalls positiv auf die Reichweite auswirken. Schon eine geringe Temperaturerhöhung von nur ein oder zwei Grad macht sich beim Stromverbrauch deutlich bemerkbar. Denn im Gegensatz zum Benziner kann im Elektroauto keine Motorabwärme zum Heizen genutzt werden. Die mollige Wärme im Innenraum geht somit komplett zulasten der Batterie.

Technische Upgrades als wirkungsvolle Maßnahme

Durch eine Wärmepumpe kann sich die Reichweite eines Elektroautos erhöhen

Eine dienliche Investition kann der Einbau einer Wärmepumpe sein. Im neuen Renault Zoe ist diese bereits standardmäßig integriert. Bei manchen Fahrzeugen lässt sich diese gegen Aufpreis aber auch als Sonderausstattung mitbestellen. Für den VW e-Golf liegen die Kosten für eine derartige Pumpe bei rund 1000 Euro. Für die BMW i3-Modelle muss man dafür etwa 660 Euro ausgeben. Laut dem Münchner Autohersteller kann sich dadurch jedoch die Reichweite um über 30 Prozent erhöhen. Der BMW i3 verfügt außerdem über einen Reichweitenverlängerer, einen sogenannten Range Extender, in Form eines kleinen Verbrennungsmotors. Mithilfe eines Generators lädt der den Akku wieder auf und beschert dem Fahrzeug so zusätzliche 50 Kilometer an Reichweite. Er springt von allein an und bewahrt Sie im Notfall davor, mit leerem Akku auf der Straße liegen zu bleiben. Einen ähnlichen additionalen Antrieb gibt es auch im Opel Ampera. Laut dem Hersteller aus Rüsselsheim läuft dieser automatisch bei einer Temperatur von minus 16 Grad an. Um die Belastung für den Akku zu reduzieren, kann es außerdem sehr hilfreich sein, den Ladevorgang des Autos gleichzeitig für den Betrieb der Standklimatisierung oder für das Vorheizen der Batterie zu verwenden, etwa dann, wenn nach dem Aufladen ohnehin eine Fahrt geplant ist. Die Energie kommt in diesem Fall aus dem Netz und geht nicht zulasten des Akkus.

Weniger Zusatzfunktionen für deutlich mehr Reichweite

Direkten Einfluss auf die Reichweite seines Stromers hat natürlich auch der Fahrer selbst, denn das Fahrverhalten des Einzelnen beeinflusst den Verbrauch beim Elektroauto genauso wie bei einem Diesel oder Benziner. Eine anhaltend hohe Geschwindigkeit geht demnach zulasten der Entfernung. In Zahlen ausgedrückt, bedeutet das in der Praxis bei einer zusätzlichen Geschwindigkeit von 30 km/h rund 160 Kilometer weniger Strecke. Es lohnt sich also durchaus, den Bleifuß ab und an auch mal vom Gaspedal zu nehmen.

Ein weiterer nicht zu unterschätzender Stromfresser, speziell bei den neueren Generationen von Elektrofahrzeugen, sind die zahlreichen Nebenaggregate wie zum Beispiel die Lenkunterstützung oder die Bremssysteme. Diese können bei einem Elektrofahrzeug im Gegensatz zu einem Verbrennungsmotor nicht mehr hydraulisch oder mechanisch gesteuert werden und müssen ihre Energie daher direkt aus der Batterie beziehen. Die herkömmliche Anbindung der Aggregate an die Antriebswelle entfällt somit auch. Denn genau wie der Elektromotor rotiert diese nicht im Stand, und damit wären viele der Funktionen im Stand nicht verfügbar. Das wiederum bedeutet, dass die Aggregate für einen rein elektrischen Betrieb völlig neu konzipiert und interpretiert werden müssen. So wirken sich zum Beispiel eigentlich gewöhnliche Vorgänge wie häufiges Auf- und Abblenden auf nächtlicher Straße, Vollbremsungen und besonders hektische Lenkbewegungen nachhaltig schlecht auf die Kapazität des Akkus aus.

Achtung: Laute Musik während der Fahrt hören kann deutliche Reichweiten Verluste mit sich bringen

Musikgenuss in Maßen erhöht die Kilometerleistung

Auch für Smartphone-Junkies, die ihr Mobiltelefon am liebsten während der Fahrt aufladen, gibt es eine schlechte Nachricht. Die Energie, die sich das Handy aus der Batterie saugt, hat ebenfalls Einfluss auf die Reichweite. Zum Vergleich: Der durchschnittliche Akku eines Smartphones mit einer Ladungsmenge von 2 Ah speichert eine Energie von 0,0075 kWh. Das klingt erst mal nicht so richtig spektakulär – umgerechnet schafft es ein VW e-Golf damit aber ungefähr 50 Meter weit. Noch schlimmer trifft es die Musikliebhaber. Wer während der Fahrt gern laute Musik hört, riskiert damit deutliche Verluste bei den zu erreichenden Kilometern. Am Beispiel des e-Golf mit seinem Soundsystem Dynaudio Excite, das es bei VW in der Performance Edition als Standardausstattung gibt, bedeutet das bei einer Stunde lautstarkem Musikgenuss eine Verkürzung der Reichweite um knapp drei Kilometer. Da sollte man es sich schon zweimal überlegen, ob es für die neue CD seines Lieblingsstars wirklich 120 Dezibel braucht.

Den meisten Besitzern eines Elektrofahrzeuges ist gar nicht bewusst, dass sogar die Wahl der Reifen Einfluss auf die Reichweite hat. Der Energieverbrauch eines Fahrzeuges steht und fällt mit den richtigen Schuhen, denn die Reifen machen statistisch gesehen fast ein Drittel des Energieverbrauchs aus. Für Stromer haben die Hersteller daher Spezialreifen entwickelt, die sich durch einen erheblich geringeren Rollwiderstand, gute Haftung und eine optimierte Stabilität auszeichnen. Das senkt wiederum signifikant den Energieverbrauch. Der Reifendruck sollte ohnehin regelmäßig kontrolliert werden, denn grundsätzlich gilt: Je weniger Druck vorhanden ist, desto mehr Fläche liegt auf der Straße auf und erhöht dadurch den Rollwiderstand.

Auch die Hersteller reagieren schon

Verschiedene Fahrmodi können dafür sorgen, dass die Reichweite eines E-Autos sich nicht so schnell reduziert

Auch die Automobilhersteller selbst haben sich so einiges einfallen lassen, um ihre Kunden beim Energiesparen zu unterstützen. Durch den Einsatz von Fahrassistenzsystemen zum Beispiel lässt sich der Energieverbrauch Ihres Stromers nachdrücklich senken. Die meisten gängigen Elektroautomodelle verfügen über mehrere verschiedene Fahrmodi. So können Sie beispielsweise beim BMW i3 zwischen den Modi Comfort, EcoPro und EcoPro+ wählen. Während im Comfort-Modus alle Funktionen verfügbar sind, wird im EcoPro+ unter anderem die Klimatisierung deaktiviert, die Sitzheizung lässt sich nicht mehr einschalten und die maximale Geschwindigkeit wird auf 90 km/h gedrosselt. So lässt sich jede Menge Strom einsparen und damit ein großes Plus an Reichweite gewinnen. Durch Aktivierung des Modus EcoPro+ kommt der BMW i3 auf einen Verbrauch unter 15 Kilowattstunden pro 100 Kilometer. Fraglich bleibt allerdings, auf wie viel Komfort man als Fahrer zum Zwecke der Stromersparnis am Ende wirklich verzichten möchte.

Nicht nur eine Frage der Batterie

Wir kommen also zu dem Fazit, dass ein Leistungsverlust bei elektrisch betriebenen Fahrzeugen völlig normal ist und sich langfristig auch nicht aufhalten lässt. Der Verlust der Speicherfähigkeit einer Lithium-Ionen-Batterie wird durch das häufige Laden und Entladen verursacht. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von einer sogenannten zyklischen Alterung des Akkus. Wird die Batterie kaum oder überhaupt nicht genutzt, treten ebenfalls Verschleißerscheinungen auf. Diese werden dann als kalendarische Alterung bezeichnet. Dennoch können Besitzer eines E-Fahrzeuges durch ihr Fahrverhalten und mit Hilfe entsprechender Maßnahmen diesen Prozess wirkungsvoll verlangsamen. Allerdings sollten Interessenten, die auch langfristig auf eine maximale Reichweite Ihres Stromers spekulieren, statt eines Kaufes doch eher ein Leasingfahrzeug in Erwägung ziehen.

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homeandsmart Redaktion Samira Nowosak

Gelernte Kauffrau für Marketingkommunikation in Karlsruhe und selbstständige Online-Redakteurin. Fasziniert von der Google-Welt, die von optimalem Content lebt und als Digital Native vor allem auf Pinterest und Instagram unterwegs. Verantwortliche Ressort E-Mobilität bei homeandsmart.de.