Probleme, Lösungen & Status Quo Elektroauto laden | Ladeinfrastruktur bremst Elektromobilität

Elektroautobesitzer kennen das Gefühl, wie auf Wolken durch den Stadtverkehr zu schweben: leise, flott und sauber. Spätestens der Versuch, neuen Strom in den leeren Akku zu bekommen, lässt den Traum von der perfekten Elektromobilität allerdings wie eine Seifenblase zerplatzen. Lange Ladezeiten, kein Überblick über die Steckerarten und umständliche Bezahlsysteme wirken eher ernüchternd. Probleme, Lösungen und die Zukunftspläne der Industrie im Überblick.

Überblick: So bezahlt man aktuell an einer Elektrotankstelle

Problem #1: Bezahlsysteme für Ladesäulen

Wildwuchs, Flickenteppich, Zufallslotterie – es gibt viele Begriffe, die den aktuellen Zustand der Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge in Deutschland treffend beschreiben. Insbesondere im Hinblick auf die Bezahlsysteme herrschen für Spontan-Tanker chaotische Zustände. Viele der aktuell vorhandenen Strukturen sind ohne Vorgaben oder verbindliche Standards gewachsen. Ein einheitliches Bezahlsystem existiert nicht.

So bezahlt man aktuell an einer Elektrotankstelle

Zurzeit stehen E-Autobesitzern an den Ladestationen viele unterschiedliche Möglichkeiten für den Bezahlvorgang zur Verfügung. Neben Barzahlung ist an vielen Stromtankstellen eine Bezahlung per Prepaidguthaben möglich. Außerdem etablieren sich langsam aber sich webbasierte Dienste wie PayPal, Paydirekt, Sofortüberweisung oder spezielle Bezahl-Apps auf dem Mobiltelefon. Auch Abonnements mit monatlichem Pauschalpreis gibt es. In diesem Fall erhalten Abonnenten eine Chipkarte oder eine ähnliche Möglichkeit zur Identifikation an der Ladesäule.

So soll zukünftig an Ladesäulen bezahlt werden

Vorschläge für eine einheitliche Regelung des Zahlungsverkehrs an Ladestationen für Elektroautos gibt es viele. Eine der sinnvolleren Ideen: die Ladesäulen dem Verteilnetz zuzuschlagen. Aufsicht und Regulierung würden dann bei der Bundesnetzagentur liegen. Dadurch hätte jeder Stromlieferant Anspruch auf einen ungehinderten Zugang zu den Ladepunkten. Autofahrer könnten einfach an einer Ladesäule vorfahren, sich dort identifizieren und ihr Fahrzeug aufladen. Abgerechnet würde das Ganze am Monatsende bequem über die häusliche Stromrechnung des Stromlieferanten, bei dem der Kunde ohnehin unter Vertrag steht. Durchgesetzt hat sich dieser Vorschlag bisher nicht. Die Bundesregierung geht einen anderen Weg. Zukünftig soll jeder E-Autobesitzer im öffentlichen Raum aufgestellte Ladesäulen nutzen dürfen, auch wenn kein Vertrag mit dem Betreiber der Ladestation besteht. Abgerechnet werden soll beispielsweise durch eine App oder eine mobile Website, die über einen auf der Ladesäule angebrachten QR-Code angesteuert wird.

Ein einheitliches Bezahlsystem für Elektroautos existiert (bisher) nicht

Problem #2: Kosten des Strom Tankens

Man könnte annehmen, dass Stromtanken deutlich günstiger ist, als ein benzinbetriebenes Auto mit immer teurer werdendem Kraftstoff zu befüllen.

Falsch gedacht: An vielen Ladesäulen für Elektroautos erfolgt die Abrechnung nach Ladezeit – und das kann teuer werden.

Wer beispielsweise seinen E-Golf an einer öffentlichen Standardladestation in der Berliner Innenstadt vier Stunden lang an das Stromnetz hängt, bezahlt dafür knapp 20 Euro. Die Ladung entspricht einer ungefähren Reichweite von 100 Kilometern.

Zum Vergleich: Bei einem Benziner reicht eine Tankfüllung für rund 10 Euro aus, um 100 Kilometer weit fahren zu können.

Grund für die teure Strombetankung sind die häufig langsamen Wechselstrombuchsen in den Elektroautos. Zwar liefern die meisten Ladepunkte heute zwischen 11 und 22 Kilowattstunden Wechselstrom, der aktuelle E-Golf zum Beispiel schafft aber nur die Aufnahme von 3,7 Kilowatt pro Stunde. Darüber hinaus ist für Halter kaum bis gar nicht ersichtlich, welche Ladesäule in der Umgebung zu welchen Konditionen Strom ausgibt.

Das führt mitunter zu skurrilen Situationen wie der, dass sich Elektroautobesitzer um eine bekannte aber teure Ladesäule balgen, während es ein paar Straßen weiter einen weniger bekannten kostenlosen Ladepunkt eines örtlichen Energieversorgers gibt.

Abrechnungsmodalitäten: aktuelle Preisgestaltung bei der Abrechnung

Derzeit bieten die Ladesäulenbetreiber im Grunde vier unterschiedliche Abrechnungsmodalitäten an. Gezahlt wird entweder per abonnementbasiertem Pauschalbetrag, pro getankter Kilowattstunde, pro Stunde Ladedauer – oder überhaupt nicht. Letzteres gilt jedoch unter Fachleuten als kommerziell, wettbewerblich, rechtlich und umweltpolitisch fragwürdig und dürfte wohl eine vorübergehende Randerscheinung des Experimentierzeitalters der Elektromobilität bleiben.

An vielen Ladesäulen für Elektroautos erfolgt die Abrechnung nach Ladezeit

Problem #3: Ladestecker für Elektroautos

Kabelsalat kann niemand leiden. Erst recht nicht, wenn es darum geht, den leergefahrenen E-Auto-Akku dringend an der nächstgelegenen Stromtankstelle wieder aufzuladen. Halter stellen sich nicht selten die bange Frage, ob das eigene Fahrzeug kompatibel zur Ladestation ist. Und falls ja, wie schnell der Ladevorgang absolviert ist. Bei den Ladesteckern herrscht das reinste Durcheinander. Für Wechselstrom (AC) gibt es Typ 1, Typ 2 und Typ 3A, für Gleichstrom sind je nach Region CCS und CHAdeMO gängig. Hinzu kommen SchuKo, Typ 3C, CEE Rot, CEE Blau, und Tesla geht mit dem Tesla Supercharger noch mal einen komplett eigenen Weg. Alle Ladestecker für Elektroautos finden Sie hier im ausführlichen Überblick.

Diese Lösung für das Ladestecker-Problem ist in Sicht

Im März 2016 hat das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie eine Verordnung über technische Mindestanforderungen an den sicheren und interoperablen Aufbau und Betrieb von öffentlich zugänglichen Ladepunkten für Elektromobile erlassen. Diese Ladesäulenverordnung soll den Ausbau von Stromtankstellen in Deutschland beschleunigen und Rechtssicherheit schaffen, indem sie den Typ 2-Stecker als obligatorischen Ladestecker an E-Tankstellen definiert. Die Autoindustrie ist bereits einen Schritt weiter. Sie arbeitet an induktiven Ladetechniken für ihre Elektrofahrzeuge. Irgendwann einmal werden Stecker also komplett überflüssig sein.

Ladestation finden - Ausbau der Ladepunkte soll Infrastrukturproblem für Elektroautos lösen

Problem #4: lückenhafte Ladesäuleninfrastruktur

Ein ganz grundsätzliches Problem steht allerdings über allen anderen. Noch bevor sich Elektroautofahrer überhaupt Gedanken über die Kompatibilität von Ladesteckern, die Abrechnungsmodalitäten an Ladesäulen, die Ladeleistung oder die Zahlungsmöglichkeiten machen können, müssen sie überhaupt erst einmal einen Ladepunkt finden. Bis zum vierten Quartal 2017 gab es in Deutschland gerade einmal 8000 Ladestationen mit 23 700 Anschlüssen. Damit hat sich die Zahl der Ladepunkte zwar innerhalb eines Jahres fast verdoppelt, von einer flächendeckenden und lückenlosen Infrastruktur kann aber weiter keine Rede sein. Die meisten der öffentlich zugänglichen Ladesäulen befinden sich nämlich in Großstädten.

Ausbau der Ladepunkte soll Infrastrukturproblem lösen

Das Bundesverkehrsministerium hat Anfang 2017 200 Millionen Euro an Fördermitteln für den Aufbau weiterer 5000 Schnellladestationen in Deutschland freigegeben. Bis 2020 sollen die neuen Ladepunkte stehen und das Infrastrukturproblem lösen – unter anderem an viel befahrenen Autobahnen und Bundesstraßen. Das Land Nordrhein-Westfalen unterstützt zudem seit Oktober 2017 die Installation von Ladesäulen für E-Fahrzeuge auf Privatgrundstücken. Weitere Förderprogramme sind für die Zukunft nicht ausgeschlossen.

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homeandsmart Redaktion Samira Nowosak

Gelernte Kauffrau für Marketingkommunikation in Karlsruhe und selbstständige Online-Redakteurin. Fasziniert von der Google-Welt, die von optimalem Content lebt und als Digital Native vor allem auf Pinterest und Instagram unterwegs. Verantwortliche Ressort E-Mobilität bei homeandsmart.de.