Unterschied zwischen WLTP, NEFZ, EPA & RDE Elektroauto Reichweite Zyklen EPA, NEFZ, WLTP & RDE im Vergleich

Worldwide Harmonized Light(-Duty) Vehicles Test Procedure, kurz WLTP, ist das neue Standardtestverfahren, das endlich realitätsnahe Angaben zum Kraftstoffverbrauch von Elektrofahrzeugen und anderen Pkw ermittelt. Der seit 1992 gültige und wenig akkurate NEFZ (Neuer Europäischer Fahrzyklus) wird damit bis 1. September 2018 schrittweise abgelöst. Dabei gilt Deutschland bei der Umstellung weltweit als Vorreiter. Welche Unterschiede zwischen den Prüfzyklen bestehen und wie sich der neue WLTP-Wert auf die Zukunft auswirken wird, fassen wir in unserem Überblick zusammen.

WLTP löst im September 2018 den NEFZ ab - und sorgt für bessere Reichweiten Angaben bei Elektroautos

Verbrauchslügen für Elektroauto Reichweiten werden aufgedeckt

Wer sich für den Kauf eines Elektrofahrzeuges interessiert, der achtet vor allem auf die Reichweite. Bis August 2017 musste man sich dabei auf die NEFZ-Angaben verlassen – den bis dahin gültigen Prüfzyklus für Personenkraftwagen. Die Vertrauenswürdigkeit des NEFZ-Wertes hielt sich allerdings in Grenzen. Wurde im Herstellerprospekt von 500 Kilometern Reichweite gesprochen, durfte man je nach Sonderausstattung und Nutzverhalten eher mit 250 Kilometern rechnen. Während die USA mit der EPA bereits 2012 ein verschärftes Testverfahren eingeführt haben, soll durch das neue Verfahren WLTP nun auch weltweit der Augenwischerei ein Ende gesetzt werden.

Zusammen mit WLTP wurde zusätzlich der RDE-Test eingeführt, der nun die realen Abgasemissionen für Benziner und Diesel misst. Während bei WLTP unter Laborbedingungen getestet wird, finden die RDE-Prüfungen im realen Straßenverkehr statt.

Was sich hinter den Abkürzungen genau verbirgt und wie sich die Testverfahren der einzelnen Prüfstandards unterscheiden, erklären wir kurz im Überblick.

Der neue Testzyklus WLTP im Überblick

Seit September 2017 wird WLTP zur Ermittlung des Kraftstoffverbrauchs für Pkw schrittweise eingeführt, um den bisherigen Testzyklus NEFZ abzulösen. Die Abkürzung WLTP steht für Worldwide Harmonized Light(-Duty) Vehicles Test Procedure. Das neue Testverfahren legt den Grundstein für eine herstellerübergreifende und realistische Einschätzung des Kraftstoffverbrauchs.

Das Verfahren WLTP gilt zunächst nur für die neuen Modelle und Motoren, die zum ersten Mal der sogenannten allgemeinen Typprüfung unterzogen werden. Ab 1. September 2018 wird das Verfahren WLTP den NEFZ-Test vollständig ersetzen. Zertifizierte WLTP-Messungen müssen dann für alle neu zugelassenen Pkw vorliegen.

Der WLTP soll endlich für realitätsnahe Angaben zum Kraftstoffverbrauch von Elektrofahrzeugen sorgen

Wo wird WLTP eingeführt?

Während eine weltweite Verbreitung des WLTP-Standards angestrebt wird, schließen sich noch längst nicht alle Länder dem neuen Fahrzyklus an. Die USA haben das neue Verfahren mitentwickelt, sind während des Prozesses allerdings ausgestiegen. Indien und Südkorea werden voraussichtlich nur Teile des WLTP einführen. Auch in Japan wird noch geklärt, inwieweit das neue Verfahren übernommen wird. In Europa allerdings wird WLTP definitiv eine zentrale Rolle spielen und dem Verbraucher zuverlässigere Daten zur Reichweite des Elektroautos bieten, als das mit NEFZ der Fall war. Die 28 Länder der Europäischen Union sowie weitere Länder außerhalb der EU werden die Prüfprozedur einführen.

Testparameter des neuen WLTP-Testzyklus im Überblick

  • Die Temperatur in der Prüfkammer liegt bei 23 °C
  • Die Streckenlänge beträgt 23 km
  • Der Test-Zyklus dauert 30 Minuten
  • Er setzt sich aus vier Phasen (low, medium, high, extra-high) zusammen
  • Die Durchschnittsgeschwindigkeit liegt bei 47 km/h
  • Der Standzeitanteil beträgt 13 %
  • Die Höchstgeschwindigkeit liegt über 130 km/h
  • Die Schaltpunkte werden für jedes Fahrzeug vorab individuell berechnet
  • Fahrzeuggewicht und Zusatzausstattung fließen in die Bewertung mit ein
  • Gemessen werden alle möglichen Motoren- und Getriebekombinationen

Der alte Testzyklus NEFZ im Überblick

Der bis Sommer 2017 übliche Fahrzyklus NEFZ wurde im Jahr 1992 von der Europäischen Union eingeführt, um den Verbrauch des Kraftstoffs sowie die CO²-Emissionen zu ermitteln und damit vergleichbare Werte zu liefern. Die gewählten Testparameter verfehlten allerdings das Ziel, ein realistisches Bild über die tatsächliche Reichweite im Straßenverkehr zu liefern. So mussten Fahrer elektrischer Fahrzeuge damit rechnen, nur etwa ein Viertel oder die Hälfte der offiziell ausgewiesenen Kilometeranzahl mit dem E-Auto zu erreichen. Entscheidende Faktoren wie die Fahrweise, die Nutzung der Klimaanlage oder ein durch zusätzliches Gepäck oder durch Sonderausstattungen erhöhter Rollwiderstand berücksichtigt der Fahrzyklus NEFZ nicht.

Und: Viele der Technologien zur CO²-Reduzierung wie zum Beispiel ein Start-Stopp-System wirken auf dem Prüfstand stärker als im realen Straßenverkehr. Aufgrund der mittlerweile technischen Möglichkeiten zum Test unter Laborbedingungen ist NEFZ ein längst überholtes Verfahren. Bisher ermittelte NEFZ-Werte werden aber voraussichtlich weiterhin in Fahrzeugpapieren ausgewiesen.

Testparameter des alten NEFZ-Zyklus im Überblick

  • Die Temperatur in der Prüfkammer liegt bei 20 °C – 30 °C
  • Die Streckenlänge beträgt 11 km
  • Der Zyklus dauert 20 Minuten
  • Der Zyklus setzt sich aus zwei Phasen zusammen: 13 Minuten simulierte Stadtfahrt, 7 Minuten simulierte Überlandfahrt
  • Die Durchschnittsgeschwindigkeit liegt bei ca. 33 km/h
  • Der Standzeitanteil beträgt 25 %
  • Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 120 km/h
  • Die Schaltpunkte für Modelle mit Handschaltgetriebe sind genau vorgegeben
  • Sonderausstattung und Klimatisierung werden nicht berücksichtigt
In Zukunft werden Elektroauto Fahrer durch den WLTP Zyklus hoffentlich zuverlässig wissen, welche Reichweite ihr E-Auto bietet

Der US-Testzyklus EPA im Überblick

Die USA haben bereits im Jahr 2008 ein neues Testverfahren etabliert, das wesentlich genauere Angaben zum voraussichtlichen Verbrauch auf der Straße macht. Der US-Zyklus EPA steht für Environmental Protection Agency. Die Genauigkeit begründet sich vor allem durch den Einbezug des Verbrauchs von Klimaanlage und Heizung.

Insgesamt werden fünf unterschiedliche Fahrzyklen geprüft:

  • Stadtfahrt
  • Autobahn
  • Warmwetterzyklus (mit Klimaanlage)
  • Kaltwetterzyklus (mit Heizung)
  • Hochgeschwindigkeitszyklus mit 80 mph (129 km/h)

Die Environmental Protection Agency überprüft seit dem Jahr 2012 auch die nach NEFZ ausgewiesenen Verbrauchsangaben. Werden signifikante Abweichungen festgestellt, so ist der Hersteller verpflichtet, die Werte zu korrigieren – auch Geldstrafen werden fällig. Die EPA hilft außerdem betroffenen Verbrauchern, Schadensansprüche durchzusetzen. Jährlich werden in den USA rund 15 bis 20 Prozent aller Modellzulassungen beleuchtet. Durch das neue Testverfahren WLTP dürften sich Strafzahlungen und Schadensansprüche in Zukunft allerdings deutlich reduzieren.

Das neue Prüfverfahren RDE im Überblick

Zusammen mit WLTP wurde im September 2017 ein neues Standardprüfverfahren für Abgasemissionen eingeführt: der sogenannte RDE-Test für Real Driving Emissions. Im Unterschied zu den Prüfverfahren NEFZ und WLTP werden die Abgasemissionen nicht unter Laborbedingungen getestet, sondern im realen Straßenverkehr. Mit den Real Driving Emissions sind die während der Testfahrt ermittelten Schadstoffemissionen gemeint.

  • Der RDE-Test wird zu jeweils einem Drittel in der Stadt, auf dem Land und auf der Autobahn durchgeführt
  • Abbremsung und Beschleunigung sind nur zufällige Komponenten, die sich nach den örtlichen Gegebenheiten und der Straßenverkehrsordnung richten
  • Die Durchschnittsgeschwindigkeit im Stadtverkehr liegt zwischen 15 und 40 km/h sowie bei maximal 60 km/h
  • Die Durchschnittsgeschwindigkeit auf der Landstraße beträgt zwischen 60 und 90 km/h
  • Die Durchschnittsgeschwindigkeit auf der Autobahn beläuft sich auf 145 km/h, bei Überholvorgängen bis auf kurzzeitig 160 km/h
  • Die Fahrtdauer beträgt 90-120 Minuten
  • Die Außentemperatur variiert zwischen -7 °C und +35 °C

Um die Messung akkurat vorzunehmen, ist jedes Fahrzeug mit einer PEMS-Box (Portable Emission Measurement System) ausgestattet. Das mobile Emissionsmessungssystem misst den Schadstoffausstoß, das heißt, Stickoxide und Kohlenstoffmonoxid.

WLTP vs. NEFZ – die größten Unterschiede in der Übersicht

Die größte Schwäche des NEFZ-Prüfverfahrens besteht in dem hohen Anteil an Konstantfahrt (40 Prozent) und dem vergleichsweise geringen Anteil an Beschleunigungsfahrt (21 Prozent). Damit spiegelt NEFZ vor allem den Verbrauch im Stadtverkehr wider. Autobahn- und Landfahrten finden so gut wie keine Berücksichtigung.

WLTP hingegen zieht vier unterschiedliche Fahrphasen in Betracht, um realistische Ergebnisse für die E-Auto-Reichweite zu erzielen: bis 60 km/h, bis 80 km/h, bis 100 km/h und über 130 km/h. Sie simulieren damit Stadt-, Über­land- und Autobahnfahrten.

Im Gegensatz zu NEFZ dauert der WLTP-Fahrzyklus zehn Minuten länger und kommt nur noch auf 13 Prozent Standzeit. Die gesamte Zykluslänge beträgt 23,25 Kilometer – ist also mehr als doppelt so lang wie der NEFZ-Test mit 11 Kilometern. WLTP prüft das Fahrzeug bei höheren Durchschnittsgeschwindigkeiten, setzt das E-Auto stärkeren Temposchwankungen aus und macht generell deutlich strengere Prüfvorgaben. So werden zum Beispiel die fahrzeug- und antriebsspezifischen Schaltpunkte bereits im Vorfeld berechnet. Beim NEFZ-Verfahren werden die Schaltpunkte vorgegeben.

Ein weiterer großer Unterschied:
WLTP betrachtet nicht nur die Basisvariante eines Automodells, sondern bezieht Zusatz- und Sonderausstattungen in die Messung mit ein. Denn je mehr ein Auto wiegt, desto höher sind schließlich der Kraftstoffverbrauch und die Emissionen. Beim NEFZ-Verfahren werden stets deutlich höhere Reichweiten und geringere Abgaswerte ermittelt als unter WLTP; die Fahrzeuge sind durch die fehlende Sonderausstattung einfach deutlich leichter.

Einen Nachteil bringt WLTP allerdings auch. Automobilhersteller geben an, dass das neue Testverfahren etwa 2,5-mal so teuer ist wie der NEFZ-Test. Ob die Mehrkosten an den Endkunden weitergeben werden, ist unklar.

Die Unterschiede zwischen NEFZ und WLTP im tabellarischen Überblick

 NEFZWLTP
Starttemperaturkaltkalt
Zykluszeit20 Minuten30 Minuten
Standzeitanteil25%13%
Zykluslänge11 Kilometer23,25 Kilometer
Geschwindigkeitmittel: 34 km/h; maximal: 120 km/hmittel: 46,6 km/h; maximal: 130 km/h
Antriebsleistungmittel: 4 kW; maximal: 34 kWmittel: 7 kW; maximal: 47 kW
Schaltungstandardisierte Schaltpunktefahrzeugspezifisch
Berücksichtigung der Sonderausstattung und Klimatisierungneinja (Klima ab 2019)
RDE (Real Driving Emissions)neinja
Fahrzeugklasseneinteilungkeine3 Gewichts-/Leistungsklassen: bis 22 W/kg, bis 34 W/kg und ab 35 W/kg

Auswirkungen des WLTP auf CO²-Grenzwertvorgaben

Die Einführung des WLTP wird sich mit großer Wahrscheinlichkeit auf den ab 2020 geltenden CO²-Grenzwert auswirken. Der Wert beruht derzeit auf dem NEFZ-Testverfahren und ist auf 95 g/km festgelegt. Da das WLTP-Testverfahren zu gänzlich anderen Ergebnissen führt, plant die EU eine Umrechnung, um den Grenzwert an den WLTP-Standard anzupassen. Laut dem International Council on Clean Transportation (ICCT) ist es wahrscheinlich, dass der CO²-Grenzwert von 95 g/km (NEFZ) 100 beziehungsweise 102 g/km beim WLTP-Test entspricht, je nachdem bei welcher Temperatur der Motor gestartet wird.

Wie wirkt sich WLTP auf die Kfz-Steuer aus?

Es ist damit zu rechnen, dass WLTP einen allgemein deutlich höheren Verbrauch feststellt als NEFZ. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) geht von einem Anstieg von etwa 15 bis 20 Prozent aus. Das Bundesministerium gibt allerdings an, dass Tarifänderungen am Steuersatz für CO² (2 Euro je 1 g/km) oder am aktuell steuerfrei bleibenden Teil vom CO²-Wert (95 g/km) im Änderungsgesetz nicht vorgesehen sind.

Fazit: Mehr Transparenz dank Ablösung des NEFZ durch WLTP und RDE

Amerika hat bereits vor mehr als 5 Jahren erkannt, dass die Automobilindustrie viel zu leicht mit falschen Angaben zu Reichweite und Abgasemissionen von Kfz davonkommt. Die amerikanische EPA hat seither viele NEFZ-Werte durch eigene Tests korrigieren lassen. Das NEFZ-Verfahren ist also längst überholt und sorgt gerade bei Fahrern von E-Autos für große Enttäuschung. Schließlich gibt es derzeit noch nicht an jeder Ecke Aufladestationen. Der Elektrofahrzeugnutzer ist oft auf die maximale Reichweite seines Autos angewiesen, um zum Arbeitsplatz oder zu Terminen zu fahren.

Das Bestreben, WLTP als neuen Indikator für die Reichweite und RDE als neuen Indikator für Realemissionen weltweit durchzusetzen, sorgt für Vergleichbarkeit und Transparenz. Lediglich die zögerliche Reaktion von Ländern wie Japan und Südkorea trübt die Euphorie zum WLTP etwas. Ein großer Rückschlag für das neue Testverfahren stellt auch der Ausstieg von Amerika dar.

Es ist allerdings nicht unwahrscheinlich, dass sich sowohl WLTP als auch RDE auf lange Sicht durchsetzen werden, da diese Prüfverfahren den Verbrauchern Sicherheit bieten. Der ein oder andere Autokäufer wird sich sicherlich lieber für ein E-Automodell entscheiden, das realen Testbedingungen unterzogen wurde. Glücklicherweise gilt dann spätestens ab 1. September 2018, dass man sich auf die Versprechen im Autoprospekt wieder verlassen kann. Und die Verbrauchslügen haben ein Ende.

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homeandsmart Redaktion Samira Kammerer

Gelernte Kauffrau für Marketingkommunikation in Karlsruhe und selbstständige Online-Redakteurin. Fasziniert von der Google-Welt, die von optimalem Content lebt und als Digital Native vor allem auf Pinterest und Instagram unterwegs. Verantwortliche Ressort E-Mobilität bei homeandsmart.de. 

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