Dr. Marc Jäger, Preisträger SmartHome Award 2017 „Das Leben der Menschen erleichtern, ob gesund oder krank“

Für ein offen realisiertes Smart Home räumte Marc Jäger beim diesjährigen SmartHome Award ab, sein Unternehmen macht schon länger mit bunten Lösungen Kunden glücklich, die sich eine intelligente Wohnumgebung ohne Limits wünschen. Für home&smart schilderte er seinen Arbeitsalltag, was in seinem privaten Smart Home realisiert wurde und wo für ihn die Vorteile einer offenen Gebäudeintelligenz liegen.

Dr. Marc Jäger gewann den ersten Platz für das beste realisierte Projekt beim SmartHome Award 2017

2011 gründete Marc Jäger das Unternehmen Jäger Wohn- und Gebäudeintelligenz (JWGI) zur Planung und Umsetzung von intelligenten Gebäuden. Beim diesjährigen SmartHome Award erzielte er mit einem komplett automatisierten Wohnhaus den 1. Platz in der Kategorie „Bestes realisiertes Projekt”. Haus X in Pforzheim sollte für den 30-jährigen Bewohner komplett automatisiert werden. Es wurde auf KNX-Basis ausgestattet, wie alle von Jäger ausgeführten Projekte ist das System jedoch offen: integriert sind ein openHAB-Server, Netatmo-Kameras und eine Klimaanlage von Samsung mittels IFTTT. Über ioBroker wurde etwa die Waschmaschine eingebunden und selbstverständlich fehlt auch Amazons Sprachassistentin Alexa nicht. In zahlreichen weiteren Wohnprojekten verbindet JWGI Elemente und Dienste, die eigentlich nicht kompatibel sind und machen sie zu einem System. Dabei kommen originelle Anwendungen heraus, etwa das Smart Home via Microsoft Office Outlook über Termine zu steuern.

Dr. Marc Jäger im Interview

Sie kommen ursprünglich aus der Biomedizintechnik, sind nebenbei auch Lehrbeauftragter für Ambient Assisted Living und Telemedizin an der HS Mannheim – wie kam die Spezialisierung auf den Bereich Smart Home?

Mit JWGI habe ich sozusagen mein Hobby zum Beruf gemacht. Studiert habe ich Biomedizinische Technik, zunächst war ich auf diesem Gebiet auch aktiv und habe etwa einen Notfallsensor entwickelt. Unter dem Hintergrund der Verhaltenserkennung und Auffälligkeitsdetektion habe ich festgestellt, dass es sowohl angenehmer als auch sicherer für Betroffene ist, wenn Risikosituationen nicht am Patienten selbst gemessen, sondern von der intelligenten Wohnumgebung erkannt werden. Meine Tochter hat Diabetes, so wurde ich im Privatleben motiviert, das smarte Zuhause in dieser Hinsicht zu sensibilisieren. Sämtliche Lösungen, die JWGI in Projekten anbietet, wurden immer bereits privat getestet.

JWGI steht für offene Systeme – was zeichnet offene Gebäudeintelligenz aus?

Unsere Projekte werden herstellerunabhängig realisiert. Wir haben zwar bisher durchaus eine starke Affinität zu KNX als Trägersystem gezeigt, das hat sich allerdings in den letzten sechs Monaten geändert. Open-Source-Projekte wie openHAB und ioBroker bieten einfach zu großen Mehrwert durch die unendlichen Integrations- und Kombinationsmöglichkeiten, um diese nicht zu nutzen. Dass die Möglichkeiten unbegrenzt sind und wir für alle Wünsche offen sind, kann zum Problem werden – man muss sich auf das Wesentliche konzentrieren und kann nicht bei jedem Projekt alles einbinden. Auch die Ausgangssituation spielt in die Planung mit ein: Ist es ein Neubau, können wir KNX und LCN verwenden; bei Bestandsbauten nutzen wir etwa Homematic für die Basics.

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Bedeutet offen im Smart Home denn nicht auch unsicher?

Das sehe ich nicht so. Früher hatte jeder Hersteller sein eigenes Gateway, mit dem die Komponenten anderer Hersteller wiederum nicht kommunizieren konnten. Open Source bedeutet einfach mehr Schnittstellen zwischen den verschiedenen Systemen. Das Argument, die Sicherheit leide darunter, ist veraltet: Bei Open Source-Projekten arbeiten deutlich mehr Personen an einer Anwendung als bei geschlossenen Entwicklungen. Das garantiert, dass jeder auf dem Bereich sein Bestes gibt, auf dem er sich auskennt – es geht schließlich darum, zu zeigen, was man kann. Wie bei Wikipedia kontrollieren und verbessern sich die Kollegen gegenseitig. Zudem findet die Datenverarbeitung bei unseren Projekten im Haus statt.

Ihre Dienstleistung besteht weniger aus der tatsächlichen Durchführung als vielmehr der Planung. Wie geht es nach der Anforderungsanalyse mit dem Kunden weiter?

Die Nutzungsanforderungen des Kunden werden im ersten Schritt sondiert, dann entscheiden wir, was davon wirklich umgesetzt werden muss. Requirements Engineering, also das Anforderungsmanagement, ist ein großer Teil unseres Jobs: Nicht alles, was gemacht werden kann, muss auch erfolgen. Um den Sinn eines Smart Home nicht zu verlieren achten wir darauf, dass die Bedürfnisse gedeckt sind, Überflüssiges aber eliminiert wird.

Unser Kerngeschäft sind Projekte für Bauherren, die umfassende Vorhaben mit mehreren logischen Verknüpfungen wünschen – die Kombinierleistung also. Eine smarte Beleuchtung mithilfe von KNX kann auch ein Elektriker übernehmen. Für die Ausführung vor Ort und die Installation arbeiten wir mit einem Netzwerk an Elektrikern und Architekten zusammen. Unsere Aufgabe ist vielmehr die Konzipierung und das Programmieren des Systems. Das geschieht bei den meisten Projekten aus der Ferne via Internet. Praktisch angesichts der Tatsache, dass zahlreiche Kunden ihre Häuser auf Mallorca von uns ausstatten lassen.

Wird in Zukunft jeder ein Smart Home haben?

Künstliche Intelligenz im Haushalt halte ich für genial: Warum soll der Bewohner Abläufe selbst anstoßen, wenn eine künstliche Intelligenz das mindestens ebenso effizient übernehmen kann und damit Arbeit abnimmt? Die Algorithmen meines Zuhauses lernen, wann ich nachts aufstehe oder morgens in die Küche komme. Nach etwa fünf Wochen haben sie meine Alltagsrituale erkannt, die Kaffeemaschine läuft also morgens automatisiert an. Auch von digitalen Assistenten bin ich überzeugt. Amazon Alexa steuert in meinem Haus viele Vorgänge und kann bei Neubauten bereits zu Einsparungen führen. Mehrere teure KNX-Schalter zu verbauen kann überflüssig werden, wenn Beleuchtung, Beschattung etc. per Sprachsteuerung laufen können.

Momentan ist der Begriff Smart Home noch zu schwammig. Die Definition fehlt, viele assoziieren mit dem smarten Zuhause nur hohe Kosten. Wer allerdings mal gesehen und verstanden hat, wie ein intelligentes Haus im Alltag mitlernt und für die Bewohner arbeitet, findet das immer cool. Für kranke Menschen bedeutet das mehr Freiheit und Selbständigkeit, für gesunde mehr Komfort. Unsere Gesellschaft hat zudem bereits ständig das Smartphone in Griffweite und kontrolliert alles darüber – der nächste logische Schritt wird sein, die Hausautomation ebenfalls so zu steuern.

Informationen zu den Dienstleistungen, Projekten und Anregungen von Jäger Wohn- und Gebäudeintelligenz finden Sie auf der Unternehmensseite.

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homeandsmart.de Redaktion Sarah Mall

Studium der Kultur- & Medienwissenschaft, freiberufliche Tätigkeiten als Übersetzerin, Lektorin und Texterin. Neugierig und gerne auf Entdeckungsreise. Heute Redakteurin bei homeandsmart.de. Smart-Home-Technik als neues Terrain, das erforscht werden will. Mit positiver Energie und sonnengelbem Schal die Solaranlage der Redaktion.