Balkonkraftwerk anmelden – notwendig oder überflüssig? Mini Solargerät bei Bundesnetzagentur anmelden – notwendig?

Eigenen Öko Strom aus Solarenergie erzeugen, ohne eigenem Dach? Insbesondere in den Städten, wo viele Energieverbraucher auf engen Raum wohnen, bieten Balkonkraftwerke eine gute Gelegenheit für die private Stromerzeugung. Doch wird man mit einem Mini Solargerät zum steuerpflichtigen Energieunternehmen und ist eine Anmeldung der Stecker Mini PV Anlage bei der Bundesnetzagentur verpflichtend? Wir beantworten die wichtigsten Fragen, geben Tipps und erklären die Hintergründe.

Betreiber eines Balkonkraftwerks müssen ihre Anlage bei der Bundesnetzagentur anmelden

Fazit zur Anmeldepflicht für Balkonkraftwerke bei der Bundesnetzagentur & Co.

Balkonkraftwerk für die Steckdose – aufbauen, einstecken und Öko Strom produzieren. Klingt einfach und ist es auch. Allerdings müssen Menschen mit Umweltbewusstsein, die auf eine Mini PV Anlage auf Balkon, Terrasse oder Dach installieren wollen, immer noch bürokratische Hürden nehmen. Obwohl kleine Balkonkraftwerke, deren Maximal-Energieleistung unter 800 Watt liegen laut EU-Verordnung keine Relevanz haben, müssen deutsche Stromerzeuger ihre Mini Solaranlagen für die Steckdose noch immer bei der Bundesnetzagentur anmelden und die Daten aktuell halten.

Für Personen, die ihr Balkonkraftwerk zur Selbstversorgung betreiben, hat die Bundesnetzagentur jedoch zumindest die jährliche Meldepflicht erlassen, sofern die Geräte über weniger als 1 kWh Maximalleistung verfügen. In unseren Augen lohnen die Vorteile eines Balkonkraftwerks zur Selbstversorgung den bürokratischen Aufwand.

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Plug-In-Balkonkraftwerk inklusive Anschlusskabel und Schukostecker
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Stand: 30.11.2020

Balkonkraftwerk und Anmeldepflicht – die rechtlichen Hintergründe

In der Diskussion um die Anmeldepflichten bei dem Betrieb eines Balkonkraftwerks fällt immer wieder der Begriff „Bagatellgrenze“. Damit ist u. A. die Grenze der erzeugenden Menge an Strom gemeint, ab der eine Stecker Mini Solaranlage anmeldepflichtig wird. Erst wenn die Bagatellgrenze überschritten wird, würden sich für den Stromerzeuger rechtliche oder andere Verpflichtungen ergeben.

Auf europäischer Ebene ist in der Verordnung (EU) 2016/631 der Netzkodex mit Netzanschlussbestimmungen für Stromerzeuger geregelt. Dort regelt Artikel 5 die Ermittlung der Signifikanz von Stromerzeugungsanlagen, die in der Verordnung beschriebenen Anschlussbestimmungen unterliegen. Die Signifikanz beginnt demnach bei Analgen, die u. a. eine Maximalkapazität von mindestens 0,8 kW (800 Watt) aufweisen.

Im Umkehrschluss bedeutet das: Mini Solaranlagen, die weniger als 800 Watt Maximalkapazität aufweisen sind nicht relevant und fallen damit unter die Bagatellgrenze.

Mini PV Anlage – wieso 600 Watt und nicht 800 Watt bei Balkonkraftwerken?

In Deutschland wird im Zusammenhang mit Stecker Solaranlagen, Mini PV Anlagen oder Balkonkraftwerke immer auf eine 600 Watt Grenze hingewiesen. Warum beträgt diese hierzulande nicht 800 Watt?

Die Begrenzung auf 600 Watt ist der Sicherheit geschuldet und damit sinnvoll. Ist in einem deutschen Haushalt ein Sicherungsautomat vorhanden, können in der Regel Geräte mit bis zu 2,6 Ampere angeschlossen werden, das entspricht bei einer Spannung von 230 Volt umgerechnet knapp 600 Watt. Um die Bewohner vor Schäden zu schützen, hat der VDE in seiner Norm VDE-AR-N 4105: 2017-07 festgelegt, dass eine Elektrofachkraft die tatsächliche Leitungsbelastung prüfen muss und die elektrische Installation eines Balkonkraftwerks vornehmen muss. Dazu zählt auch die Inbetriebnahme eines Balkonkraftwerkes an einer spezielle Energiesteckdose, wie z. B. ein Wielandstecker. Dies verhindert z. B. Leitungsbrände oder eine Überlastung des Stromnetzes durch unsachgemäße Inbetriebnahme.

Eine Bagatellregelung, wie sie zum Beispiel in Österreich oder der Schweiz existiert, gibt es in Deutschland derzeit noch nicht. Hier bleibt die nationale Umsetzung der oben genannten EU-Verordnung abzuwarten. (Stand: 04/2020)

Fällt eine Steckdosen Mini Solaranlage unter das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG)?

Da es in Deutschland derzeit noch keine Bagatellregelung gibt, ist ein Balkonkraftwerk bzw. eine Mini PV Anlage für die Steckdose rechtlich wie eine ganze normale PV-Anlage anzusehen. Das bedeutet, dass der Betreiber den gleichen Rechten und Pflichten unterliegt. Theoretisch kann der Nutzer eines Balkonkraftwerks damit von der EEG-Einspeisevergütung profitieren und Geld verdienen.

Allerdings ist die erzeugte Menge an Strom, die eine Steckdosen Solaranlage erzeugt, sehr gering. Eine Anlage mit 300 Watt Maximalleistung erzeugt optimistisch geschätzt, zirka 270 kWh Strom im Jahr. Bei einem durchschnittlichen kWh Preis von 30 Eurocent eine Ersparnis von ca. 80 Euro im Jahr.

Die geringe Menge an erzeugtem Strom, verdeutlicht auch, weshalb der vom Balkonkraftwerk erzeugte Strom vor allem zum Eigenverbrauch Sinn macht: Der Einkaufspreis vom Strom beim Energieversorger ist in der Regel viel Höher als der Verkaufspreis und liegt grob und optimistisch geschätzt bei ca. 10 Eurocent.

Anmeldepflicht des Balkonkraftwerks bei der Bundesnetzagentur

Auch Mini Solaranlagen, Balkonkraftwerke und Stecker Mini PV Anlagen sind zur Anmeldung bei der Bundesnetzagentur verpflichtet. Die Eintragung erfolgt im Marktstammdatenregister. Dabei handelt es sich um behördliches Register, das auf der „Verordnung über das zentrale elektronische Verzeichnis energiewirtschaftlicher Daten – Marktstammdatenregisterverordnung“ basiert. Gesetzliche Grundlage ist Energiewirtschaftsgesetz (enWG) §§ 111e und 111f.

Die Registrierung im Marktstammdatenregister ist kostenlos. Die Registrierung muss nicht persönlich vorgenommen werden. Das bedeutet, sie kann auch von einem Verwandten oder dem Elektroinstallateur vorgenommen werden, der das Balkonkraftwerk ans Stromnetz angeschlossen hat.

Wenn sich die Daten ändern, können die Angaben im Marktstammdatenregister aktualisiert werden. Das gilt auch für die Stilllegung der Mini PV Anlage.

Wichtig: Soll das Balkonkraftwerk zum Eigenverbrauch genutzt werden, muss während der Registrierung bei der Frage, ob für den in der Solaranlage erzeugten Strom Zahlungen des Netzbetreibers in Anspruch genommen werden soll, mit „Nein“ geantwortet werden.

Mitteilungspflicht Mini Solaranlage bei der Bundesnetzagentur für Selbstversorger

Früher mussten alle Analgenbetreiber im Rahmen ihrer Mitteilungspflicht regelmäßig Angaben zur Leistung ihrer Anlagen nachkommen. Die Bundesnetzagentur unterscheidet nun zwischen der Eigenversorgung und der Stromerzeugung für eine klassische Volleinspeisung, für die Betreiber einer Solaranlage eine EEG Vergütung erhalten.

Auf ihrer Webseite teilt die Bundesnetzagentur mit, dass Eigenversorger und sonstige Letztverbraucher „nur noch auf Verlangen zur Mitteilung gegenüber der Bundesnetzagentur nach § 76 EEG verpflichtet sind.“

Wichtiger ist jedoch, dass laut Bundesnetzagentur Betreiber von den jährlichen Mitteilungspflichten ausgenommen sind, die eine Eigenversorgung mit Strom betreiben, aus

  • Stromerzeugungsanlagen mit einer installierten Leistung von höchstens 1 Kilowatt,
  • Solaranlagen mit einer installierten Leistung von höchstens 7 Kilowatt.

Da ein Balkonkraftwerk in der Praxis aufgrund Sicherheitsrichtlinien in der Regel auf 600 Watt begrenzt ist, erreichen die Balkonkraftwerke die Maximalleistung von 1 Kilowatt gewöhnlich nicht.

Das bedeutet: Theoretisch sind Betreiber einer Mini Solaranlage zur EEG-Datenerhebung ihrer Anlage bei der Bundesnetzagentur verpflichtet. In der Praxis verzichtet die Bundesnetzagentur aber drauf, sofern das Balkonkraftwerk mit seiner Maximalleistung unter 1 Kilowatt bleibt und der Strom zum Eigenverbrauch genutzt wird.

Mitteilungspflicht Mini Solaranlage bei der Bundesnetzagentur bei Volleinspeisung

Anders verhält es sich, wenn sich der Betreiber einer Mini Solaranlage dazu entschließt, seinen erzeugten Strom nicht selbst zu verbrauchen, sondern ihn zum Zwecke einer EEG-Vergütung komplett ins Netz einzuspeisen. Dann unterliegt er auch weiterhin den detailreichen Zahlungs- und Mitteilungsplichten und weckt das Interesse des Finanzamts.

Tatsächlich macht das in unseren Augen aber keinen Sinn, da die erzeugte Menge an Strom zu gering ist. Da aus Sicherheitsgründen die Last pro Steckdose 600 Watt Maximalleistung nicht übersteigen darf, ist der Betrieb mehrerer Mini Solaranlagen an einer Steckdose nach VDE Richtlinien nicht zulässig. Zwar sind VDE-Vorschriften genaugenommen keine Gesetze, bei einer Missachtung können dem Betreiber einer Mini Solaranlage jedoch Rechtsnachteile entstehen.

Zur eigenen Sicherheit und der Sicherheit gegenüber Dritten empfehlen sollten sich die Betreiber einer Mini Solaranlage an die VDE Vorschriften halten, da diese die allgemein anerkannten Regeln der Technik darstellen und damit als Norm gelten.

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Ulrich Klein

Alexa-Evangelist und Digital Native. Schrieb vor seinem Start bei home&smart als freier Technikjournalist und Redakteur für verschiedene Verlage und Redaktionen, u.a. T3 (Tomorrow's Technology Today), Süddeutsche Zeitung, connect, Handy Magazin, iBusiness oder magnus.de. Spricht fließend Alexa und testet gerne Geräte, die den Alltag smarter machen, wie intelligente Lautsprecher, eBook Reader, Tablets oder Bluetooth-Kopfhörer. Spezialthemen: Smartphones, Mähroboter, Einbruchschutz.

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