Balkonkraftwerk anmelden – notwendig oder überflüssig? Balkonkraftwerk bei Bundesnetzagentur anmelden – notwendig?

Eigenen Ökostrom aus Solarenergie erzeugen, ohne eigene Dachflächen? Insbesondere in Städten, wo viele Energieverbraucher auf engen Raum wohnen, bieten Balkonkraftwerke eine gute Gelegenheit für die private Stromerzeugung. Doch wird man mit einem Mini Solargerät zum steuerpflichtigen Energieunternehmen und ist eine Anmeldung der Stecker Mini PV Anlage bei der Bundesnetzagentur verpflichtend? Wir beantworten die wichtigsten Fragen, geben Tipps und erklären die Hintergründe.

Betreiber eines Balkonkraftwerks müssen ihre Anlage bei der Bundesnetzagentur anmelden

Alles Wichtige zur Anmeldepflicht in Kürze

Balkonkraftwerk für die Steckdose – aufbauen, einstecken und Ökostrom produzieren. Klingt einfach und ist es auch. Allerdings müssen Menschen mit Umweltbewusstsein, die auf eine Mini PV Anlage auf Balkon, Terrasse oder Dach installieren wollen, immer noch bürokratische Hürden nehmen.

Obwohl kleine Balkonkraftwerke, deren Maximal-Energieleistung unter 800 Watt liegen laut EU-Verordnung keine Relevanz haben, müssen deutsche Stromerzeuger ihre Mini Solaranlagen für die Steckdose noch immer bei der Bundesnetzagentur anmelden und die Daten aktuell halten.

Für Personen, die ihr Balkonkraftwerk zur Selbstversorgung betreiben, hat die Bundesnetzagentur jedoch zumindest die jährliche Meldepflicht erlassen, sofern die Geräte insgesamt über weniger als 600 Watt Maximalleistung verfügen. In unseren Augen lohnen die Vorteile eines Balkonkraftwerks zur Selbstversorgung den bürokratischen Aufwand.

Hinweis: Wichtig zu beachten ist neben der Anmeldepflicht bei der Bundesnetzagentur auch die Anmeldung beim eigenen Netzbetreiber.

Balkonkraftwerk Ratgeber-Serie

Dieser Artikel ist der 9. Teil unserer Serie in 10 Schritten zum Balkonkraftwerk:

  1. Balkonkraftwerk Kosten ermitteln
  2. Freigabe vom Vermieter/WEG erwirken
  3. Balkonkraftwerk Stromzähler prüfen und ggf. Wechsel beantragen
  4. Haus-Stromnetz technisch prüfen lassen
  5. Optimalen Balkonkraftwerk Standort ermitteln
  6. Stecker ermitteln: Wieland- oder Schukostecker?
  7. Das richtige Balkonkraftwerk kaufen: Pakete im Vergleich
  8. Anmeldung beim Netzbetreiber
  9. Balkonkraftwerk bei Bundesnetzagentur anmelden
  10. Balkonkraftwerk Einspeisung messen

Wie erfolgt die Balkonkraftwerk Anmeldung bei der Bundesnetzagentur?

Auch Mini Solaranlagen, Balkonkraftwerke und Stecker Mini PV Anlagen sind zur Anmeldung bei der Bundesnetzagentur verpflichtet. Die Eintragung erfolgt im Marktstammdatenregister. Dabei handelt es sich um behördliches Register, das auf der „Verordnung über das zentrale elektronische Verzeichnis energiewirtschaftlicher Daten – Marktstammdatenregisterverordnung“ basiert. Gesetzliche Grundlage ist Energiewirtschaftsgesetz (enWG) §§ 111e und 111f.

Die Registrierung im Marktstammdatenregister ist kostenlos. Die Registrierung muss nicht persönlich vorgenommen werden. Das bedeutet, sie kann auch von einem Verwandten oder dem Elektroinstallateur vorgenommen werden, der das Balkonkraftwerk ans Stromnetz angeschlossen hat.

Wenn sich die Daten ändern, können die Angaben im Marktstammdatenregister aktualisiert werden. Das gilt auch für die Stilllegung der Mini PV Anlage.

Wichtig: Soll das Balkonkraftwerk zum Eigenverbrauch genutzt werden, muss während der Registrierung bei der Frage, ob für den in der Solaranlage erzeugten Strom Zahlungen des Netzbetreibers in Anspruch genommen werden soll, mit „Nein“ geantwortet werden.

Extratipp: Wer keine Lust hat, sich mit der Anmeldung seines Balkonkraftwerks auseinanderzusetzen, kann bereits beim Kauf auf entsprechende Service-Angebote achten. 

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Was passiert, wenn das Balkonkraftwerk nicht bei der Bundesnetzagentur angemeldet wird?

Theoretisch könnte die Bundesnetzagentur ein Bußgeld basierend auf dem § 21 der Marktstammdatenregisterverordnung (MaStRV) verhängen, wenn jemand der Anmeldepflicht eines Balkonkraftwerks nicht nachkommt.

Da die meisten Privatnutzer eines Balkonkraftwerks jedoch ohnehin keine EEG-Vergütung in Anspruch nehmen, sind die Sanktionsmöglichkeiten der Bundesnetzagentur laut Verbraucherzentrale NRW beschränkt. Zudem weist die deutsche Gesellschaft für Sonnenenergie DGS darauf hin, dass selbst normalgroße PV-Anlagen bisher noch nie wegen einer fehlenden Anmeldung mit einem Bußgeld belegt wurden. Praktisch ist die Durchsetzung solch einer Strafe deshalb kaum umsetzbar. (Stand: 03/2022)

Wie groß darf ein Balkonkraftwerk sein ohne Genehmigung?

In der Diskussion um die Anmeldepflichten bei dem Betrieb eines Balkonkraftwerks fällt immer wieder der Begriff „Bagatellgrenze“. Damit ist u. A. die Grenze der erzeugenden Menge an Strom gemeint, ab der eine Stecker Mini Solaranlage anmeldepflichtig wird. Erst wenn die Bagatellgrenze überschritten wird, würden sich für den Stromerzeuger rechtliche oder andere Verpflichtungen ergeben.

Auf europäischer Ebene ist in der Verordnung (EU) 2016/631 der Netzkodex mit Netzanschlussbestimmungen für Stromerzeuger geregelt. Dort regelt Artikel 5 die Ermittlung der Signifikanz von Stromerzeugungsanlagen, die in der Verordnung beschriebenen Anschlussbestimmungen unterliegen. Die Signifikanz beginnt demnach bei Anlagen, die u. a. eine Maximalkapazität von mindestens 0,8 kW (800 Watt) aufweisen.

Im Umkehrschluss bedeutet das: Mini Solaranlagen, die weniger als 800 Watt Maximalkapazität aufweisen sind nicht relevant und fallen damit unter die Bagatellgrenze.

Wie viele Balkonkraftwerke darf man betreiben?

Grundsätzlich dürfen Hausbesitzer oder Mieter auch mehreren Solar Module bzw. Balkonkraftwerke betreiben, solange sie nicht die bereits genannte Maximalgrenze von 600 Watt überschreiten. 

Wichtig: Dabei zählt die Leistung des Wechselrichters und nicht die Gesamtleistung der Module.

Sind Balkonkraftwerke mit 900 Watt erlaubt?

Aktuell sind nur Balkonkraftwerke mit einer Leistung von maximal 600 Watt erlaubt. Dabei ist allerdings die Leistung des Wechselrichters ausschlaggebend, weil dieser die Einspeisung des Balkonkraftwerks beschränkt. Die Module selbst können mehr als 600 Watt aufweisen, um auch bei geringerer Sonneneinstrahlung eine hohe Einspeiseleistung nahe der durch den Wechselrichter begrenzten 600 Watt zu erzielen.

In deutschen Haushalten werden normalerweise Sicherungen eingesetzt, die Ströme von 16 Ampere zulassen - damit wird der Betrieb von maximal 3.680 Watt Leistungsabnahme abgesichert (230 Volt * 16 Ampere).
Bei einem Balkonkraftwerk können nun weitere 600 Watt Leistungsabnahme dazu kommen, da es nicht durch den Sicherungsautomaten begrenzt wird, sondern direkt ins Hausnetz einspeist.
Sollten also im unwahrscheinlichen Fall 4.280 Watt Leistungsabnehmer eingeschaltet sein, würden 18,6 Ampere (4.280 Watt / 230 Volt) im Hausnetz fließen, ohne dass die Sicherung greift. Für moderne, normkonforme Elektroinstallationen ist das nicht ausreichend, um einen Kabelbrand zu verursachen.

Lediglich bei einer veralteten Elektroinstallation sollte die Absicherung auf 13 Ampere reduziert werden - bei maximaler Einspeisung des Balkonkraftwerks würden 13+2,6 =15,6 Ampere im Hausnetz fließen, was die Elektroleitungen bedenkenlos aushalten.

Der VDE hat in seiner Norm VDE-AR-N 4105: 2017-07 festgelegt, dass eine Elektrofachkraft die tatsächliche Leitungsbelastung prüfen und die elektrische Installation eines Balkonkraftwerks vornehmen soll. Dies ist aber lediglich für ältere Elektroinstallationen absolut notwendig.

Entgegen der EU-Verordnung, welche 800 Watt als Maximalleistung nennt, gilt in Deutschland durch die VDE-Verordnung 600 Watt als Bagatellgrenze.

Solarstrom ohne Anmeldung einspeisen - ist das möglich?

Grundsätzlich sind Balkonsolaranlagen ab 600 Watt meldepflichtig. D. h. sie müssen sowohl bei der Bundesnetzagentur im Marktstammdatenregister eingetragen als auch beim Netzbetreiber registriert werden.

Wer jedoch seinen kompletten Bedarf mit Eigenstrom deckt und keinen Anschluss ans öffentliche Netzwerk besitzt, unterliegt der sogenannten Insellage.

Dazu teilt die Bundesnetzagentur auf ihrer Website mit, dass Besitzer einer solchen Balkonsolarganlage „nur noch auf Verlangen zur Mitteilung gegenüber der Bundesnetzagentur nach § 76 EEG verpflichtet sind.“

Welche Mitteilungspflicht gilt für Selbstversorger mit Mini Solaranlage?

Früher mussten alle Analgenbetreiber im Rahmen ihrer Mitteilungspflicht regelmäßig Angaben zur Leistung ihrer Anlagen nachkommen. Die Bundesnetzagentur unterscheidet nun zwischen der Eigenversorgung und der Stromerzeugung für eine klassische Volleinspeisung, für die Betreiber einer Solaranlage eine EEG Vergütung erhalten.

Auf ihrer Webseite teilt die Bundesnetzagentur mit, dass Eigenversorger und sonstige Letztverbraucher „nur noch auf Verlangen zur Mitteilung gegenüber der Bundesnetzagentur nach § 76 EEG verpflichtet sind.“

Wichtiger ist jedoch, dass laut Bundesnetzagentur Betreiber von den jährlichen Mitteilungspflichten ausgenommen sind, die eine Eigenversorgung mit Strom betreiben, aus

  • Stromerzeugungsanlagen mit einer installierten Leistung von höchstens 1 Kilowatt,
  • Solaranlagen mit einer installierten Leistung von höchstens 7 Kilowatt.

Da ein Balkonkraftwerk in der Praxis aufgrund Sicherheitsrichtlinien in der Regel auf 600 Watt begrenzt ist, erreichen die Balkonkraftwerke die Maximalleistung von 1 Kilowatt gewöhnlich nicht.

Das bedeutet: Theoretisch sind Betreiber einer Mini Solaranlage zur EEG-Datenerhebung ihrer Anlage bei der Bundesnetzagentur verpflichtet. In der Praxis verzichtet die Bundesnetzagentur aber drauf, sofern das Balkonkraftwerk mit seiner Maximalleistung unter 1 Kilowatt bleibt und der Strom zum Eigenverbrauch genutzt wird.

Welche Mitteilungspflicht gilt bei Volleinspeisung?

Anders verhält es sich, wenn sich der Betreiber einer Mini Solaranlage dazu entschließt, seinen erzeugten Strom nicht selbst zu verbrauchen, sondern ihn zum Zwecke einer EEG-Vergütung komplett ins Netz einzuspeisen. Dann unterliegt er auch weiterhin den detailreichen Zahlungs- und Mitteilungsplichten und weckt das Interesse des Finanzamts.

Tatsächlich macht das in unseren Augen aber keinen Sinn, da die erzeugte Menge an Strom zu gering ist. Da aus Sicherheitsgründen die Last pro Steckdose 600 Watt Maximalleistung nicht übersteigen darf, ist der Betrieb mehrerer Mini Solaranlagen an einer Steckdose nach VDE Richtlinien nicht zulässig. Zwar sind VDE-Vorschriften genaugenommen keine Gesetze, bei einer Missachtung können dem Betreiber einer Mini Solaranlage jedoch Rechtsnachteile entstehen.

Zur eigenen Sicherheit und der Sicherheit gegenüber Dritten empfehlen sollten sich die Betreiber einer Mini Solaranlage an die VDE Vorschriften halten, da diese die allgemein anerkannten Regeln der Technik darstellen und damit als Norm gelten.

Tipp: In unserer Balkonkraftwerk Reihe stellen wir in In 10 Schritten vor, wie ein eigenes Balkonkraftwerk eingerichtet wird.

Ulrich Klein

Alexa-Evangelist und Digital Native. Schrieb vor seinem Start bei home&smart als freier Technikjournalist und Redakteur für verschiedene Verlage und Redaktionen, u.a. T3 (Tomorrow's Technology Today), Süddeutsche Zeitung, connect, Handy Magazin, iBusiness oder magnus.de. Spricht fließend Alexa und testet gerne Geräte, die den Alltag smarter machen, wie intelligente Lautsprecher, eBook Reader, Tablets oder Bluetooth-Kopfhörer. Spezialthemen: Smartphones, Mähroboter, Einbruchschutz.

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