Starthilfe von Bund und Ländern Welche Förderungen gibt es für Elektroautos & Ladestationen?

Damit sich die individuelle Elektromobilität durchsetzt, müssen mindestens noch zwei Herausforderungen gemeistert werden: zum einen muss sich die Ladeinfrastruktur verbessern, indem das Netz an Ladesäulen noch deutlich dichter wird. Zum anderen müssen die E-Autos erheblich günstiger werden, damit insbesondere für den Kleinwagen mit Verbrennungsmotor eine erschwingliche Alternative geschaffen wird. Um dem Elektroauto den Weg in den Massenmarkt zu erleichtern, werden bereits jetzt umfangreiche Förderungen gewährt. Neben der direkten Zahlung von Fördermitteln stehen auch zinsgünstige Kredite zur Wahl.

Die Bundesregierung fördert das Aufstellen von öffentlichen Ladesäulen.

Förderungen für Ladeinfrastruktur

Die deutsche Bundesregierung hat sich von dem Ziel, bis 2020 die Anzahl der Elektroautos auf deutschen Straßen auf eine Million Fahrzeuge zu steigern, gerade verabschiedet - in Anbetracht der leider noch schleppenden Verkaufszahlen gingen Experten schon länger davon aus, dass diese ehrgeizigen Zulassungsziele nicht mehr zu erfüllen sind. Zu den Hauptgründen zählen Fachleute neben den hohen Anschaffungskosten auch die noch lückenhafte Ladeinfrastruktur. Nun soll verstärkt durch gezielte Investitionen und Förderungen das Ladenetz ausgebaut werden und damit das E-Auto attraktiver und wettbewerbsfähiger machen.

Seit März 2017 werden durch den Bund insgesamt 300 Millionen Euro zur Verfügung gestellt, damit die Ladeinfrastruktur ausgebaut werden kann. Von dieser Summe sollen sowohl Normalladestationen bis zu 22 kW und Schnellladestation mit bis zu 150 kW gefördert werden. Die Mittel werden in unterschiedlichen Aufrufen zur Antragseinreichung zur Verfügung gestellt. Die Förderungen sollen bis ins Jahr 2020 laufen. Dabei werden Höchstgrenzen des Mittelabrufs pro Antragsteller, sowie ein Verteilungsschlüssel über die Bundesländer festgelegt, damit eine gezielte Verteilung möglich ist. Nach dem Erfolg des ersten Aufrufs mit 2.500 geförderten Ladesäulen wurden jetzt im zweiten Aufruf die Anzahl der zu fördernden Ladestationen auf über 13.000 Stück erhöht.

Voraussetzung für den Erhalt der Förderung ist die jederzeit öffentliche Zugänglichkeit der Ladepunkte sowie der Betrieb mit Strom aus erneuerbaren Energien. Die Förderung beträgt:

  • Bis zu 40% und maximal 3.000 Euro je Ladepunkt bis 22 kW Ladeleistung
  • Bis zu 40% und maximal 30.000 Euro für eine DC-Schnellladestation
  • Ergänzend wird auch ein ggf. notwendiger Netzanschluss gefördert

Auch die Installation der Stationen kann gefördert werden. Nicht nur Unternehmen sämtlicher Größen sind in die Förderung mit eingeschlossen, Privatpersonen können von der Infrastrukturförderung ebenfalls Gebrauch machen. Berücksichtigt werden sollte in diesem Zusammenhang allerdings noch, dass die maximale Förderquote 40 % beträgt. Sollten die festen Fördersätze also eine Bezuschussung von mehr als 40 % der Gesamtkosten ausmachen, wird der Förderbetrag entsprechend gekürzt. Auch ein offener Kommunikationsstandard wird zur Anbindung von Energiezähler und Backend vorausgesetzt. Auf diese Weise soll sichergestellt werden, dass die neu errichteten Ladestationen den Anforderungen gerecht werden, die das Mess- und Eichrecht stellt.

Ladesäule von ABB mit unterschiedlichen Ladesteckern

Vergünstigte Kredite für Errichtung von Ladestationen und dem Erwerb von Elektrofahrzeugen

Die Förderung von Elektromobilität muss nicht immer darin bestehen, direkte Gelder an Unternehmen und Privatleute auszuschütten. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) vergibt günstige Kredite für Investitionen in Umweltschutz und Nachhaltigkeit. Die Produkte 240 und 241 sind ausschließlich für Unternehmer und Freiberufler verfügbar, was im Umkehrschluss bedeutet, dass Privatleute von dem Angebot leider nicht profitieren können. Folgende Konditionen machen den Kredit interessant:

  • effektiver Jahreszins ab 1,00 Prozent
  • Kreditsumme bis zu 10 Millionen Euro
  • langfristige Zinsbindung
  • bis zu 20 Jahre Laufzeit
  • für Projekte im In- und Ausland nutzbar

Der günstige Kredit lässt sich sowohl für den Kauf eines E-Autos wie auch Plug-in-Hybrides oder Brennstoffzellenfahrzeugs nutzen. Wichtig ist in diesem Zusammenhang allerdings, dass der CO2-Ausstoß je Kilometer maximal 50 g beträgt und eine Fahrstrecke von mindestens 40 km rein elektrisch zurückgelegt werden kann. Weiterhin werden durch diesen zinsgünstigen Kredit auch Ladestationen für Elektrofahrzeuge und Betankungsanlagen für Wasserstoff gefördert. Eine Beantragung ist nicht direkt bei der KfW möglich sondern wird über Partnerbanken abgewickelt. Diese Partnerbank überprüft, ob die Bonität für die Vergabe des Kreditantrages ausreichend ist.

Förderung von Elektroautos

Für private Kunden ist die Förderung von Elektroautos vermutlich interessanter als die Ausschüttung von Fördergeldern für die Errichtung einer Infrastruktur. Derzeit ist das bereits am 2. Juni 2016 gestartete Programm zur Förderung der Elektromobilität in Deutschland noch aktiv, das Fristende ist aktuell für den 30. Juli 2019 vorgemerkt. Das Fördervolumen von 1,2 Milliarden Euro wird jeweils zur Hälfte vom Bund und von den Automobilherstellern getragen. Oftmals erhöhen die Elektrofahrzeughersteller ihren Anteil noch etwas, um einen zusätzlichen Anreiz zu geben. Die Förderbeträge je Fahrzeug setzen sich somit aus den folgenden Bestandteilen zusammen und liegen bei:

  • 2.000 Euro (BAFA Förderung) + mindestens 2.000 Euro (Rabatt vom Hersteller) für reine Elektroautos
  • 1.500 Euro (BAFA Förderung) + mindestens 1.500 Euro (Rabatt vom Hersteller) für Plug-in-Hybride und Brennstoffzellenfahrzeuge sowie sonstige Fahrzeuge mit einem CO2-Ausstoß von weniger als 50 g/Kilometer

Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass der Netto-Listenpreis des Basisfahrzeugs die Summe von 60.000 Euro nicht überschreitet. Elektropionier Tesla sah sich deshalb bei der Einführung der Forderung auch unzulässig benachteiligt, weil zu diesem Zeitpunkt keines der angebotenen Modelle diese Grenze unterschreiten konnte - sämtliche Fahrzeuge der Amerikaner waren also von der Förderung ausgenommen. Daraufhin hat Tesla den Preis seiner Einstiegsversion des Models S auf knapp 58.000 Euro reduziert, so dass nun die komplette Model S Reihe förderungsfähig ist. Der Förderbetrag wird beim Kauf direkt abgezogen. In einigen Fällen Ist die Förderpraxis allerdings ein wenig komplizierter; eine Hälfte der Summe wird direkt vom Fahrzeugverkäufer mit der Kaufsumme verrechnet, die andere Hälfte muss beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) beantragt werden. Dieser Antrag lässt sich online einreichen, der Kauf- oder Leasingvertrag zum Fahrzeug muss dann als Nachweis hochgeladen werden. Nach abgeschlossener Prüfung erhält der Käufer einen Zuwendungsbescheid. Um die Zulassung des Fahrzeuges ebenfalls nachzuweisen, muss spätestens neun Monate nach dem Erhalt des Zuwendungsbescheides die Zulassungsbescheinigung Teil 1 und 2 ebenso hochgeladen werden. Neben Privatpersonen darf diese Förderung aber auch von Gewerbetreibenden und Unternehmern in Anspruch genommen werden, offen steht die E-Auto- Bezuschussung auch gemeinnützigen Organisationen.

Ausgelöst durch die Dieselaffäre geben viele Hersteller noch zusätzliche Prämien beim Neukauf eines umweltfreundlichen Autos, wenn dafür ein Diesel mit den Euro Normen 1- 4 drangegeben wird. Davon profitieren aber nicht ausschließlich Elektro- und Hybridfahrzeuge. Doch diese Rabattaktion und die Angst auch in Zukunft noch in die Städte fahren zu können, helfen auch dem Elektroautoabsatz.

Die Batterie des Renault Zoe kann gekauft oder geleast werden.

Mit Elektroauto Befreiung von der Kfz-Steuer

Viele Interessenten von E-Autos berechnen aktuell die Wirtschaftlichkeit des Kaufs. Was hierbei ebenfalls nicht außer Acht gelassen werden darf, ist die Befreiung von der Kfz-Steuer. Als Bestandteil des Maßnahmenpakets der Bundesregierung sind Elektroautos ab dem Tag der Zulassung zehn Jahre von der Kraftfahrzeugsteuer befreit.

Nachteilsausgleich der Dienstwagenbesteuerung

Eine weit weniger bekannte Fördermaßnahme besteht im sogenannten Nachteilsausgleich für die Besteuerung des geldwerten Vorteil zum Dienstwagen. Stellt ein Arbeitgeber einen Dienstwagen auch zur privaten Nutzung zur Verfügung, entsteht dem Arbeitnehmer nachvollziehbarer Weise ein Nutzen. Dieser Nutzen wird finanziell mit einem Prozent des Bruttolistenpreises des Fahrzeugs monatlich angesetzt. Der errechnete Betrag wird durch das Einkommensteuergesetz genauso behandelt, als würde die Summe als Arbeitslohn ausgezahlt werden - die zu zahlende Einkommensteuer erhöht sich also. Bei Elektrofahrzeugen ergibt sich aufgrund des hohen Kaufpreises ein ganz erheblicher geldwerter Vorteil, der die Steuerlast vergrößert. Konkret bedeutet dies also, dass Fahrzeuge mit hohen Anschaffungskosten und geringen Betriebskosten im Nachteil sind. Um diese Bewertung durch das Einkommensteuergesetz auszugleichen, wird der anzusetzende Bruttolistenpreis des Elektrofahrzeuges reduziert. Die die Sätze zur Minderung richten sich nach dem Datum der Erstzulassung:

  • bis zum 31.12.2013 500 Euro je Kilowattstunde Batteriekapazität
  • in den Folgejahren wird dieser Betrag um 50 Euro je Kilowattstunde reduziert

Konkret bedeutet dies: wer 2017 ein Elektrofahrzeug oder einen Plug-in-Hybriden mit einer Batteriekapazität von 30 kWh anschafft, kann 300 Euro x 30 kWh = 9.000 Euro abziehen.

Als Höchstgrenze werden maximal 8.500 Euro ausgewiesen, weshalb sich in diesem Beispiel also nicht die volle Minderungssumme einbringen lässt. Hat das Fahrzeug einen Listenpreis von 33.500 Euro, müssten also zur Berechnung des geldwerten Vorteils tatsächlich nur 25.000 Euro herangezogen werden.

Die Bundesregierung fördert mit einer Umweltprämie den Kauf von Elektroautos.

Fördermaßnahmen für Elektroautos auf Landesebene

Hinsichtlich der Fördermaßnahmen für die Elektromobilität ist häufig lediglich von Maßnahmen die Rede, die durch eine Bundesbehörde initiiert werden. Tatsächlich lassen sich auch auf Landesebene Förderungen in Anspruch nehmen. Insbesondere die Städte sind sehr darum bemüht, die Grenzwerte zur Luftverschmutzung einzuhalten und damit Klagen durch Anwohner zu verhindern. Der wissenschaftliche Dienst des Bundestages hat sämtliche regionale Fördermaßnahmen für Elektroautos in einem Dokument aufgeführt. Viele Bundesländer verweisen auch auf eine Förderung durch Energieunternehmen, so beispielsweise das Portal zur Elektromobilität des Landes NRW. Die hier gezahlten Förderungen durch einen Energieversorger fallen allerdings recht übersichtlich aus. Beachtet werden sollte aber, dass Stromkunden häufig an Ladesäulen vom Energieversorger kostenfrei aufladen dürfen - auch dieser Aspekt darf bei einer Wirtschaftlichkeitsbetrachtung berücksichtigt werden.

Lesetipps zum Thema Elektromobilität

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Michael Artmann

Ausbildung in Kommunikationselektronik und Informationstechnik. Mehrere Jahre bei einem internationalen PC-Hersteller tätig – Lieblingsaufgabe: Prototypen-Tests für den Europäischen Markt. Schwerpunkte: Video/3D/Netzwerke. Nachgelegt: Studium Energiemanagement. Sieht die Welten von IT und Energiewirtschaft zusammenwachsen. Heute business developer bei einem Energiekonzern und unersetzliche Unterstützung der homeandsmart.de-Redaktion.