Expertenbeitrag von Dr. Marc Jäger Smart Home Projekte: Marktübersicht, Herausforderungen & Trends

Hochwertige Smart Home Projekte werden immer beliebter. Die Kosten belaufen sich heutzutage auf bis zu 10% der gesamten Bausumme. Damit ergeben sich ganz neue Anforderungen für Architekten, Elektriker und Smart Home Planer. Welchen Herausforderungen sich die Beteiligten stellen müssen und welche Systeme warum verbaut werden – Dr. Marc Jäger von JAEGER Wohn- & Gebäudeintelligenz klärt auf.

Dr. Marc Jäger gewann den ersten Platz für das beste realisierte Projekt beim SmartHome Award 2017

Ablauf eines typischen Smart Home Projekts

Derzeit läuft ein Smart Home Projekt in folgenden Schritten ab:

  1. Der Smart Home Planer erstellt die Anforderungen und den Elektroplan
  2. Der Elektriker beschafft die Komponenten
  3. Ein Systemintegrator (kann auch der Smart Home Planer sein) programmiert die Komponenten und schickt sie an den Elektriker
  4. Der Elektriker baut die Komponenten ein
  5. Die Visualisierung und Steuerung programmiert wieder der Smart Home Planer / Systemintegrator

In der Planungsphase für einen Neubau oder eine Komplettsanierung erstellen Bauherr und Smart Home Planer in Bezug auf Smart Home Komponenten gemeinsam eine Anforderungsanalyse. Dabei werden in einem längeren Gespräch der typische Alltag festgehalten und die Bedürfnisse des Bauherrn erfasst.

An diesem Punkt der Smart Home Planung erfolgt in der Regel auch die Festlegung auf ein Bussystem (KNX, LCN, Loxone, Homematic etc.). Während bei einer Altbausanierung aus Gründen des Aufwands fast durchweg Funktechnik zum Einsatz kommt, fällt bei einem Smart Home Neubau eher die Wahl auf kabelgebundener Technologie.

smart-home-bus-system-installieren

In einer weiteren Phase lassen sich aus dem Gespräch Nutzungsanforderungen extrahieren und für den Kunden wichtige Szenarien bestimmen, etwa welche Funktionen automatisch ablaufen sollen, wenn er nicht zu Hause ist und welche Komponenten dafür benötigt werden. Bauherren sind häufig überrascht, welche Möglichkeiten es gibt, über die sie noch nicht nachgedacht haben. Zum Teil werden manche Anforderungen des Kunden auch wieder gestrichen.

Sobald das Pflichtenheft steht, kann die Elektroplanung angegangen werden. Dazu wird das Bussystem konzipiert und dann ein Verteiler- und Komponentenplan erstellt. Hier muss häufig ein Kompromiss zwischen optischen Ansprüchen und den Nutzungsanforderungen gefunden werden. Nach der Entscheidungsfindung können die Komponenten beschafft, programmiert und installiert werden. In 90% der Objekte wird direkt eine Plattform für das Internet der Dinge (IoT) sowie eine Visualisierung angeschlossen und konfiguriert.

Für die Zeit nach dem Bezug sollte eine kontinuierliche Anpassung und Erweiterung des Smart Home Systems im Auge behalten und finanziell eingeplant werden. Da es sich um ein Wartungsobjekt handelt, ist ein Servicevertrag zu empfehlen. Zusammen mit Änderungen in den Betriebsabläufen dürfte sich das Budget auf etwa 1.000 Euro pro Jahr belaufen.

Unterschiede bei den Bussystemen - Funktionen, Design und Preis

Eine genaue Betrachtung bei der Planung erfordert die Auswahl des passenden Bussystems, da es in diesem Bereich bis heute noch keinen einheitlichen Standard gibt. Die bekanntesten und gebräuchlichsten Systeme sind derzeit KNX, Loxone, LCN, HomeMatic und Digitalstrom.

Die bisherige Erfahrung zeigt, dass Bauherren ihr Hauptaugenmerk auf die Optik der Schalter legen. Hier kann vor allem KNX punkten, da durch die große Herstellerzahl auch viele unterschiedliche Schalter zur Verfügung stehen. Für die Bustechnologie benötigt KNX eine zusätzliche Leitung. LCN kommt zwar mit normalen Leitungen aus, benötigt aber ein 4-Leiter-System, welches in Altbauten nicht standardmäßig verbaut ist. Diese beiden eignen sich deshalb eher für einen Neubau. Für eine Altbausanierung ist Digitalstrom und Homematic attraktiver, da es bestehende Leitungen nutzen bzw. per Funk kommunizieren kann.

smart-home-projekt

In puncto Funktionsumfang unterscheiden sich die Bussysteme nicht, weshalb man sie getrost für jede Art von Smart Home verwenden kann. KNX und Loxone besitzen ganz klar die meisten Möglichkeiten für individuelle Anpassungen. Dies wird jedoch durch die Tatsache ausgeglichen, dass in der Regel eine Steuerungs- und Visualisierungssoftware für Smartphones, PCs, und Display-Schalter darüber gelegt wird. Denn die Software kann sich in verschiedene Systeme bzw. systemferne Geräte einklinken, wodurch die Bedienung erheblich vereinfacht wird. Als Beispiele sind hier OpenHab, Homebridge oder iHaus zu nennen.

Welche Bussysteme und Gewerke werden am häufigsten verlangt?

KNX ist derzeit der Platzhirsch unter den Bussystemen, denn durch die große Herstellerauswahl ergeben sich für Kunden viele Möglichkeiten der optischen Gestaltung. Bei anderen Systemen ist man auf ein oder nur wenige Designvarianten angewiesen. KNX ist dadurch auch zukunftsfähiger und macht unabhängiger. Sollte ein Produzent von Komponenten in die Insolvenz gehen, kann man einfach bei einem anderen einkaufen.

Bei den gewünschten Gewerken liegen Licht, Beschattung und Raumtemperaturregelung auf den vorderen Plätzen, gefolgt von Sicherheitstechnik wie Fensterkontaktüberwachung, Rauch- und Wassermeldern und Überwachungskameras, häufig verbunden mit akustischen Signalen im Einbruchsfall. Viele Nutzer wünschen auch eine Anbindung an ihren Kalender im Smartphone oder Tablet, um individuell abgestimmte Automatisierungen und Szenarien zu bestimmten Zeiten ablaufen zu lassen. Positionsbestimmungen spielen ebenfalls eine Rolle, etwa dass sich die Alarmanlage von selbst ausschaltet, wenn der Besitzer sich nähert.

Herausforderungen für die Beteiligten bei Smart Home Projekten

Die praktische Umsetzung von Smart Home Projekten steckt bis jetzt noch in den Kinderschuhen. So ist es für traditionelle Elektriker eine echte Herausforderung, diesbezügliche Wünsche von Kunden zu planen und umzusetzen. Sie kennen aus ihrer beruflichen Erfahrung heraus zwar die Themen Beleuchtung, Beschattung und Raumtemperaturregelung und können entsprechende Anlagen programmieren. Teilweise bieten sie dies auch für die Bustechnik an.

smart-home-neubau

Wenn es aber darum geht, verschiedene Gewerke und Bussysteme übergreifend zu verbinden und zu konfigurieren, müssen sie meistens passen, da sie üblicherweise nur ein System und die Vorgaben nur eines Herstellers kennen. Die Kunden wünschen aber zahlreiche unterschiedliche Systeme, von der Alarmanlage über Mähroboter und Rollladensteuerung bis hin zur Zentralheizung, die alle im Smart Home integriert werden sollen.Architekten wiederum beherrschen die Technologie ebenfalls nicht und können für diesen Bereich auch keine klassischen Elektroplaner beauftragen, da diese auf den gewerblichen Bereich spezialisiert sind.

Fazit: Dass ein Elektriker alles aus einer Hand liefert ist heutzutage nicht mehr die Normalität. Das muss auch gar nicht sein. Vielmehr kommt es darauf an, dass Elektriker und Systemintegratoren / Smart Home Planer Hand in Hand zusammenarbeiten.

Weitere Entwicklung des Marktes in näherer Zukunft

Bei einem durchschnittlichen Einfamilienhaus haben Bauherren früher rund 35.000 Euro für die gesamte Elektrik ausgegeben. Seit etwa zwei bis drei Jahren liegt diese Zahl schon bei 80.000 bis 90.000 Euro bei hochwertigen Neubauprojekten durch die Einbindung von Smart Home Projekten.Daraus ist klar zu ersehen, dass die Nachfrage deutlich gestiegen und die Elektroplanung beim Hausbau stark in den Vordergrund gerückt ist. Wohin der Trend in der Technik geht, welches Bus-System sich in Zukunft als Standard durchsetzen wird, ist allerdings noch nicht abzusehen. 

Unsere Experten

In unserer Berichterstattung greifen wir auf das tiefe Branchenwissen von renommierten Experten wie Dr. Marc Jäger zu den Themen Smart Home, Sprachassistenten und Elektromobilität zurück. Innerhalb von Gastbeiträgen veröffentlichen wir ihre exklusiven Einschätzungen und Hintergrundinformationen. Weitere Experten-Beiträge finden Sie in unserem Experten-Verzeichnis.

Experte werden!

Sind auch Sie ein Experte auf dem Gebiet Smart Home, IoT, Elektromobilität oder Connected Living? Wir geben auserwählten Experten die Möglichkeit, ihr Fachwissen auf homeandsmart mit unseren Lesern zu teilen.

Wir freuen uns über eine E-Mail – kontaktieren Sie uns gerne via kooperationen@homeandsmart.de!

Wie gefällt Ihnen dieser Artikel?
gefällt das
Gefällt mir Gefällt mir nicht
Sie können den Artikel nur einmal bewerten.
Vielen Dank für Ihre Bewertung!
thomas-jaeger-smart-home-experte

Thomas Jäger ist Gründer von JÄGER DIREKT und CEO der JF Group. Seit 15 Jahren entwickelt er Smart Home Komponenten und hat sich dort vor allem auf ganzheitliche elektrotechnische Lösungen für die Gebäudeautomation spezialisiert.

Smart Home Angebote bei Amazon
Vernetztes Zuhause
Alexa & Smart Home

Erleben Sie alle Smart Home-Produkte und Geräte mit Sprachsteuerung bei Amazon zu unschlagbaren Preisen.

Zu den Angeboten*
Amazon Prime Mitgliedschaft testen oder abschließen
Jetzt testen!
Amazon Prime

Kostenloser Versand für Prime-Produkte, Zugriff auf Prime Video und Prime Music, Premiumzugang zu Top-Angeboten und vieles mehr.

Zu den Angeboten