Wallpaper TV: Technik und erste Modelle Lohnt sich ein Wallpaper TV? Der Smart TV als Poster an der Wand

Ob sich der Begriff Wallpaper TV genauso nachhaltig einprägt wie der Smart TV? Gerade wurden von den Herstellern auf den Elektronic Consumer-Messen die ersten Modelle präsentiert. Atemberaubend dünn sind die Wallpaper TVs und sorgen deshalb auch für viel Medienrummel. Doch die Wallpaper TVs sind mehr als nur eine Machbarkeitsstudie oder ein Ausblick in die ferne Zukunft. Die Zukunft hat bereits begonnen und jeder Design- und Technikliebhaber kann teilhaben. LG verkauft bereits seine 65W7V und 77W7V Wallpaper TVs im Handel. Ist der Wallpaper TV aber nur eine vorübergehende Erscheinung wie der 3D-TV, oder der Anfang einer neuen TV-Generation?

Der LG Signature W7V Wallpaper TV

Was ist ein Wallpaper TV?

In wahrscheinlich allen Haushalten mit einem Fernsehgerät gehört der Flachbildfernseher im Wohnzimmer zum Standard-Mobiliar und wird größtenteils auch schon internet-fähig sein. Anfang des Jahres stellte der koreanische Hersteller LG eine neue Modellreihe von Smart TVs vor und bezeichnete diese als Wallpaper TVs. Die Namensgebung kommt dabei nicht von ungefähr. Die von LG vorgestellte Signature-Modellreihe hat eine Gehäusetiefe von nur wenigen Millimetern und wirkt dadurch, an die Wand gehängt, wie eine Tapete, die eben auf Englisch Wallpaper heißt.

Welche Entwicklung war nötig für den Wallpaper TV?

Zu Beginn, also weit vor dem ersten Wallpaper TV, als die ersten Flachbildfernseher auf dem Markt kamen, wiesen diese noch eine Tiefe von mehr als 10-15 cm auf. Im direkten Vergleich zu den Röhrengeräten war das aber schon als revolutionär anzusehen. In Verbindung mit einer Wandhalterung war es damit plötzlich möglich das TV-Gerät platzsparend an die Wand zu hängen, die Wirkung im Raum war dadurch ein ganz neues Erlebnis. So wie es auch in der Entwicklung von Elektronikgeräten in anderen Bereichen verfolgt werden kann, wurden auch die bei den Flachbildfernsehern verbauten Komponenten im Zeitverlauf immer kompakter, zugleich leistungsfähiger und mit mehr Funktionalitäten ausgestattet -ein klassischer Verkleinerungsprozess der Bauteile. Fast jeder trägt heute einen leistungsfähigen Rechner, namens Smartphone in der Hosentasche mit sich rum.

Jedoch dürfen und sollen nicht alle Bauteile beliebig verkleinert werden. Bei einem Smart TV soll das Display Panel nicht kleiner, sondern im Gegenteil eher größer werden. Das Fernsehvergnügen zu Hause wird immer mehr dem Kinoerlebnis nachempfunden. Durch verbesserte Fertigungsprozesse und der Verwendung weiter entwickelter Materialen ist das erst möglich geworden und so lassen sich größere Bildschirmdiagonalen preisgünstig herstellen. Der Kunde darf sich heute freuen, einen neuen 55-Zoll oder 65-Zoll Smart TV für den gleichen Preis zu bekommen, wie er vor Jahren noch für ein 40-Zoll Gerät hätte zahlen müssen.

Da die Breite und die Höhe der Smart TVs also nicht schrumpfen sollen, können sich die Hersteller nur der Tiefe und dem Rahmen der Geräte zuwenden, um diese zu minimalisieren. Im Auge des Betrachters ist es schließlich immer von Vorteil, wenn die sichtbare Bildschirmfläche möglichst groß und der übrige Rest dabei so gut wie nicht vorhanden ist. Ergo: Ein rahmenloses Gerät mit der Dicke eines Blatt Papiers würde den Idealfall darstellen.

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Wallpaper TV: OLED sei Dank

Entscheidend für eines Wallpaper TV waren also die Entwicklung von platzsparenden und effizienten Bauteilen, wodurch sich die Leistungsaufnahme verringert und die Abwärme weniger aufwendig abgeleitet werden muss. In manchen Smart TVs mussten zur Kühlung der Technik sogar aktive Lüfter verbaut werden. Auch die Hintergrundbeleuchtung bei LCD-TVs benötigte durch die anfangs eingesetzten Kaltkathodenröhren (Leuchtröhren) wesentlich mehr Platz als neuere Modelle mit LED-Hintergrundbeleuchtung. Hierdurch konnten die Smart TVs schon erheblich an Tiefe einsparen und Geräte mit nur noch wenigen Zentimetern Tiefe waren plötzlich machbar. Ein weiterer wegweisender Schritt zum Wallpaper TV konnte durch die Verwendung von OLED-Panels gegangen werden. Bei dieser Panel-Technologie wird keine Hintergrundbeleuchtung mehr benötigt, da die hier eingesetzten organischen halbleitenden Dünnschichtbauelement selbst leuchten und in der Herstellung schon viel dünner gefertigt werden können, als herkömmliche LEDs. Mit einem OLED-Display ist es sogar schon möglich ein „elektronisches Papier“ herzustellen. Sony konnte bereits ein Paper TV-Display mit nur 0,3 mm Dicke fertigen. In der Serienproduktion und bei den gängigen Bilddiagonalem eines Smart TVs werden solche geringen Tiefen jedoch noch nicht erreicht. Eine Gehäusetiefe unter 3 mm ist aber bereits heute schon bei einem Wallpaper TV machbar.

Der LG Signature W7V Wallpaper TV ist bereits im Handel erhältlich

Welche Wallpaper TV-Modelle gibt es derzeit?

Noch ist das neue Segment der Wallpaper TVs sehr dünn besetzt. Auf der diesjährigen CES stellte LG mit seinen Signature-Modellen 65W7V und 77W7V zwei extrem schlanke Wallpaper TVs vor, die ohne Magnethalterung nur ca. 2,6 bzw. 4,6 mm in der Tiefe messen und wie ein Tapete an der Wand kleben. Möglich macht dies LG, indem die alle anderen Bauteile und Schnittstellen in eine externe Box ausgelagert werden. Dieser Wallpaper-TV zog bereits viel Aufmerksamkeit auf sich,  so ist es auch nicht verwunderlich, dass sich weitere Hersteller an die Fertigung von Wallpaper TVs heranwagen. So hat auch Metz gerade sein neues Premium-Modell auf der IFA 2017 in Berlin vorgestellt. Mit nur 3,6 mm Tiefe kommt dieser zwar nicht ganz an den Wallpaper TV von LG heran, ist aber trotzdem ein Hingucker und beweist ein weiteres Mal, was derzeit technisch machbar ist. Aktuell liegen die Wallpaper-TVs noch in der preislichen Oberliga. Dafür bieten sie aber auch viel - neben dem atemraubenden Design warten die Geräte mit einer technischen Komplettausstattung wie UHD, HDR10, Dolby Vision und Triple Tuner auf.

Ein Curved TV als Alternative zu einem Wallpaper TV?

Ein gebogenes Display in einem Flachbildfernseher wirft erstmals die Frage auf, warum das denn überhaupt gemacht wird? Wird es nur gemacht, weil es möglich ist und weil den Herstellern sonst keine andere Neuerung einfällt? Nein, so ist es natürlich nicht. Ja, die gebogenen Curved-Panels sind erst seit ein paar Jahren auf dem Markt, weil es vorher technisch nicht machbar war. Aber sie haben neben dem aufmerksamkeitswirksamen Design auch eine funktionelle Bedeutung. Durch das gebogene Panel rückt der Betrachter tiefer in das Geschehen und erlebt teilweise sogar einen leichten 3D-Effekt. Ein Curved TV konzentriert sich außerdem auf einen bestimmten Betrachtungspunkt, bei dem der Betrachter auch eine höhere Bildqualität und weniger Verzerrungen am Bildschirmrand wahrnimmt. Kann dieser „SweetSpot“ jedoch nicht eingehalten werden, insbesondere wenn mehrere Betrachter nebeneinander sitzen, so ist der kleine Betrachtungswinkel nachteilig. Auch der Aufstellungsort kann sich bei einem Curved TV nachteilig auswirken, wenn dadurch Lichtreflexionen (durch die Biegung) das Bild stören. Somit ist ein Curved TV-Modell nicht unbedingt für jeden gleich gut geeignet, im Gegensatz zum Wallpaper-TV hat er mit der derzeitigen Technik nicht das Zeug zum neuen Standard-TV-Gerät.

Samsungs „The Frame TV“ als Alternative zum Wallpaper TV?

Die Hersteller versuchen bei ihren Smart TVs nicht nur die Tiefe zu minimalisieren, sondern auch die Ränder. Kein Rand ist hier das Optimum. Viele Geräte weisen hier auch nur noch einige Millimeter an verbleibenden Rand auf, was für den Betrachter edel und nicht störend wirkt. Einen ganz anderen Ansatz geht hier Samsung mit der „The Frame“ Modellreihe. Hier wird plötzlich der so ungeliebte Rand zu einem tragenden Designelement, indem der gesamte Smart TV zu einem Bild mit Bilderrahmen verwandelt wird. Eine geniale Idee von Samsung. Wenn etwas nicht komplett weggelassen werden kann, so wird es wird es einfach miteinbezogen in das Gesamtkonzept und stört nicht länger.

Mit dem "The Frame TV" geht Samsung einen anderen, nicht ganz gegensätzlichen Weg

Standardmäßig kommt der Frame TV mit einem grauen Rahmen, kann aber mit den optional angebotenen Rahmenelementen in der Farbe angepasst werden und so prima zwischen bereits vorhanden „echten“ Gemälden platziert werden. Der Frame TV funktioniert dabei wie ein ganz normaler Smart TV, sobald er jedoch nicht benutzt wird, zeigt er ein hochaufgelöstes Kunstwerk an. Dabei steht eine umfassende Auswahl unterschiedlicher Kunstwerke zur Verfügung, so dass für jeden etwas Passendes dabei sein sollte. Auch ist der Frame TV smart genug, um zu erkennen, ob sich eine Person im Raum befindet. Ist dies nämlich nicht der Fall zeigt er kein Gemälde an und spart damit Strom. Zusätzlich verfügt das Gerät auch noch über eine Timerfunktion, so dass zu bestimmten Uhrzeiten das Bild schwarz bleibt. Auch wird die Helligkeit im Gemälde-Modus auf ein Minimum heruntergeregelt, so dass sich der Stromverbrauch in Grenzen hält. Idealerweise wird der Frame TV an die Wand gehängt, ist das jedoch nicht möglich bietet Samsung noch einen stilsicheren TV-Ständer in der Form einer Künstler-Staffelei nachempfunden. Der „The Frame TV“ von Samsung ist 4,3 cm tief und verfolgt damit nicht den Wallpaper-TV-Ansatz, so dünn wie möglich zu sein. Zum Gemälde-Konzept würde es aber gut passen. Es liegt also Nahe, dass Frame-TV und Paper TV in Zukunft zu einer Gattung verschmelzen und die Wallpaper-TVs dann sowohl mit Bilderrahmen als auch komplett ohne Rahmen angeboten werden.

 

Fazit: Wird der Wallpaper-TV massentauglich?

Smart sind mittlerweile alle Geräte, eine tolle Bildqualität bieten sie auch, warum zukünftig also nicht mehr Liebe in das Design stecken, die Freiheiten nutzen und ausloten, was technisch möglich ist. Individualität wird immer belohnt wenn sie gefällt und funktioniert. Mit dem Wallpaper TV und dem Frame TV wurde das Smart TV-Segment ideenreich erweitert und auch der Curved TV wird seine Zielgruppe finden. Unserer Einschätzung nach wird sich der Trend am Ende aber zum rahmenlosen Wallpaper TV bewegen, denn er ist die konsequente Weiterentwicklung des vernetzen Flachbildschirms: Das Bild als das Wesentliche in der Vordergrund, alles andere minimalisiert. Die Evolution des Fernsehgerätes: vom Röhrengerät zum Flachbildfernseher, zum Smart TV und weiter zum Wallpaper-TV, der auch weiterhin smart bleibt.

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Michael Artmann

Ausbildung in Kommunikationselektronik und Informationstechnik. Mehrere Jahre bei einem internationalen PC-Hersteller tätig – Lieblingsaufgabe: Prototypen-Tests für den Europäischen Markt. Schwerpunkte: Video/3D/Netzwerke. Nachgelegt: Studium Energiemanagement. Sieht die Welten von IT und Energiewirtschaft zusammenwachsen. Heute business developer bei einem Energiekonzern und unersetzliche Unterstützung der homeandsmart.de-Redaktion.